Die wilden 60er Jahre in Kaufbeuren von Peter M. Roese

Voll im Beat-Fieber … Impressionen aus der Ranchbar 1966 (I)

Nun ist es richtig ausgebrochen, das Beat-Fieber. Musik wird zur Waffe des Friedens! Ulkig, da gibt es doch dieses alte Sprichwort: ‘Wo man singt da lass dich ruhig nieder, denn böse Mensch kennen keine Lieder …’ Das stimmt natürlich auch nicht ganz, denn die bösen Kommunisten zum Beispiel haben ihre ‘Internationale’ – ‘Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht …’
Die Ranchbar in Kaufbeuren, kurz Ranch genannt … dieser Tempel der neuen, beglückenden Musik … Manche nennen das Tanzlokal, nahe der Spittelmühlkreuzung an der Gutenbergstraße, Beatschuppen, Preßluftschuppen und so weiter. Das ist aber beileibe nicht verächtlich gemeint, sondern eher durch einen liebevollen Unterton untermalt. Für junge Mädchen, vom Beat-Virus befallen, bedeutet es höchste Erfüllung, wenn sie endlich, endlich in die Ranchbar dürfen, selbst wenn es nur bis 22 oder 23 Uhr ist. Außerdem ist extra für die Küken am Sonntagnachmittag Tanz angesagt. Wenn die Eltern getäuscht werden sollen, kommen die Mädels ungeschminkt von zu Hause. Dann geht es in der Ranch erst einmal auf die Toilette, um sich zu schminken. Wenn sie dann wieder raus kommen wundert sich mancher von den Jungs: Ist das jetzt die, mit der ich gekommen bin, oder die große Schwester? Die Ranch … das ist schon was, denn an den verruchten Ringkeller zum Beispiel dürfen vor allem die Mädels nur in ihren geheimsten Träumen denken.
Mögen die jungen Leute glücklich sein, die alten Spießer sind es nicht. Es ist ungeheuerlich! Was ist nur aus der wohlgeordneten Nachkriegsgesellschaft geworden? Nicht nur die Spießer sind schockiert. Für manche scheint schon der Moment des Unterganges des Abendlandes gekommen zu sein …
Die aufmüpfige Jugend ist über alle Ländergrenzen hinweg durch die neue Musik miteinander verbunden – zumindest im Westen offiziell. Da gibt es langhaarige Sänger und auch ein paar Sängerinnen, in unmöglichen Klamotten, die offen ihre Meinung in alle Welt hinausposaunen – und … auch Sexuelles. Und die Mädchen und jungen Frauen singen da auch noch mit! Beim Twist produzieren sich manche Mädels, vor allem diejenigen die es sich leisten können, gar als Tittenwacklerinnen.

So sieht die Ranchbar (später Stachus) heute aus. Wie lange wird dieses geschichtsträchtige Gebäude wohl noch stehen?
Fotos von Rainy Roese

Rossner wartet in der Ranchbar mit klopfendem Herzen auf Denise, dieses entzückende, petite Wesen, das er kürzlich hier kennen gelernt hat. Wie eine Elfe aus dem Feenreich kommt sie ihm vor. Sie ist in einem Internat am Ammersee, kommt aber meist am Wochenende nach Kaufbeuren, da die Eltern in der Bundeswehrsiedlung an der Apfeltranger Straße wohnen. Der Vater ist nämlich beim Bund.
“Grüß’ dich, wie geht’s?” vernimmt Rossner neben sich die sonore Stimme von Rotgerber. Der stammt ursprünglich aus Nürnberg und ist nach seiner Bundeswehrzeit in Kaufbeuren hängen geblieben. Er war am Fliegerhorst Memmingerberg, beim Jagdbombergeschwader 34. Der Grund warum er letztendlich in Kaufbeuren gelandet ist führt den Namen Manuela.
“Mir geht es gut”, antwortet Rossner. “Wo hast du denn deine Manuela gelassen?”
“Keine Sorge, die kommt schon noch, die ist kurz bei einer Tante. Du weißt ja wie gerne sie tanzt.”
“Setz’ dich doch her”, fordert Rossner ihn auf, “ich lade dich zu einem Bierchen ein. Ich warte nämlich auch auf eine junge Dame.”
“Ist das die mit der du am vergangenen Samstag so eng umschlungen getanzt hast?”
“Ja, genau die.”
“Die schaut aber entzückend aus. In die könnte ich mich auch glatt verknallen.”
“Lass das bloß deine Manuela nicht hören.”
Da müssen sie beide lachen …
Nachdem er einen Schluck Bier getrunken hat sieht Rossner sich um. Die Beleuchtung ist schummrig. Die umfangreiche rechteckige Tanzfläche ist von Tischen umrahmt, die bereits besetzt sind, und zeigt mit der Schmalseite Richtung Eingangstüre. Auf der gegenüberliegenden Seite der Tanzfläche residiert der König der runden, schwarzen Scheiben, der Diskjockey, mit seinen Geräten. Da blinken in der Dunkelheit geheimnisvoll verschiedenfarbige Lämpchen und Anzeigen, fast wie im Cockpit eines Flugzeuges. Dahinter befindet sich ein Podest , auf dem Stühle und Tische stehen , von denen erst einige besetzt sind. Die große Theke mit Bar ist rechter Hand eingebaut.
Langsam füllt sich das Lokal. die Mädels sind schick angezogen, in Kleidern mit klaren Linien, tragen meist gestylte, toupierte Haarfrisuren, manche mit ‘Herrenwinkern’. Aber auch Farah-Diba-Bienenkorb-Frisuren, Brigitte-Bardot-Frisuren und vereinzelte Pferdeschwänze sind zu sehen. Glatte, lange Haare sind jedoch nach wie vor ‘in’. Und dann die langen, angeklebten Wimpern … Die jungen Männer schauen dagegen eher aus wie graue Mäuse, im Anzug und Krawatte, mit bravem, kurzen Haarschnitt. Nur ab und zu sieht man eine Elvis-Tolle oder einen Pilzkopf.

Der Text stammt aus dem Manuskript “Allgäu Sixties”, von Peter M. Roese

Interessiert wie’s weitergeht? Fortsetzung folgt bald …

Teil II

Wo sind die 60er-Fans, die einen Kommentar über ihre Erlebnisse rund um die Ranchbar schreiben wollen?

Für Türkei-Urlauber aus dem Allgäu

So sah das Topkapi Serail in Istanbul um 1900 aus


(Sammlung Peter M. Roese)

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 7

Peter M. Roese Peter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 7

Verweilen wir gerade noch einen kurzen Moment beim Kuhstallweiher …

… Als Karin einmal in einem schneeweißen Bikini, auf den sie besonders stolz war, ins Wasser ging und anschließend wieder herauskam, traf sie fast der Schlag, denn das schicke, wenn auch knappe Kleidungsstück hatte eine braune Färbung angenommen, die nie wieder heraus ging. Da war die kurz zuvor so stolze Trägerin natürlich stocksauer!

So, jetzt geht es weiter …

“Menschenskind”, murmelt Rossner, “was habe ich doch für ein Dusel gehabt, ausgerechnet in dieser herrlichen Ecke der Republik zu landen. Das hätte ich nie erwartet.”
Da hat er recht, denn wird das Allgäu erwähnt, denkt man dabei wohl weniger an die Luftwaffe. Da kommen einem eher sanfte Hügel mit sattgrünen Weiden in den Sinn, auf denen sich braune Kühe tummeln, deren Glocken melodisch bimmeln. Gesteigert werden die Eindrücke noch durch Berge, Wälder, Seen, Flüsse und Bäche, und heimelige Dörfer, die sich vertrauensvoll um teils mächtige Gotteshäuser scharen, an verstreut liegende rustikale Bauernhöfe mit üppiger Blumenpracht auf den Balkonen und immer mal wieder eine Kapelle oder hier und dort ein Marterl. Ach ja, so mancher Besucher fragt sich, wo denn diese hübschen, sanftäugig dreinblickenden Kühe eigentlich herkommen. Ganz einfach: Die stammen ursprünglich aus den Tälern der östlichen Schweiz. Aber um wieder auf die Luftwaffe zurückzukommen … Hand auf’s Herz, es müßte doch einfach berauschend für einen Piloten sein, im Tiefflug über diese herrliche Landschaft hinweg zu donnern! Nur ist das leider nicht erlaubt …

Nach dem Frühstück und der körperlichen Reinigung beschließt Rossner, im Moospflänzchen ein wenig Ordnung zu machen und Mao und Lumumba mit neuen Kupplungsscheiben und Panzerplatten zu versorgen. Das ist sozusagen deren Leib- und Magenspeise. Halt, halt! Moospflänzchen … Mao und Lumumba…. Kupplungsscheiben und Panzerplatten … Ja, was um Himmelswillen ist denn daaas? Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: Mao ist eine weiße Maus mit roten Augen, Lumumba eine schwarze Maus mit schwarzen Augen. Die possierlichen Tierchen fressen gerne das runde Vollkornbrot in der Dose, eben die Kupplungsscheiben und diese harten Bisquits, deswegen Panzerplatten, die fürchterlich aufquellen, wenn man sie in Wasser legt. Diese beiden Lebensmittel sind sozusagen der eiserne Grundstock der eisernen Ration, die den Soldaten im Feld vor dem Verhungern bewahren soll. Da kann man nur sagen: Guten Appetit! Und wo wohnen die beiden Mäuse? Natürlich im Moospflänzchen! Und das Moospflänzchen ist ein betagter VW-Bus!

In der nächsten Folge verläßt unser Protagonist den Fliegerhorst, und strebt zivilen Gefilden zu …

(Fortsetzung folgt …)

Beitrag von Peter M. Roese

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 6

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 6

Peter M. Roese Peter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 6

Endlich geht es weiter mit dem Bärensee …

Vor allem an den Wochenenden, im Frühjahr und Sommer, wenn die Sonne vom Himmel lacht, sind die lauschigen Plätzchen heiß begehrt. Der Besuch des ‘Liebesgrundes’ bereitet aber langfristig gesehen nicht unbedingt ausschließlich Freuden, sieht man einmal von ungewollten Schwangerschaften ab, wie zum Beispiel der Gefreite Schäfer nach einem Schäferstündchen zu seinem Leidwesen schmerzlich erfahren mußte. Der hatte sich vergangenes Jahr im Hochsommer mit seiner Flamme aus dem Schwesternheim in die Büsche verdrückt, und beide waren nach allerlei akrobatischen Liebesübungen erschöpft eingeschlafen. Er lag auf dem Bauch, die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel herab. Drei Stunden nach dem Schäferstündchen wachte Schäfer wieder auf und hatte einen mordsmäßigen Sonnenbrand auf seinem Rücken und vor allem auf seinem normalerweise lichtscheuen Allerwertesten. Die höllischen Schmerzen trieben ihn am Montag darauf sogar ins Krankenrevier.
“Rot wie ein Pavianhintern schaut das aus”, stellte der Oberstabsarzt, der ihn behandelte, fest. “Es scheint also doch zu stimmen, daß der Mensch vom Affen abstammt”, fügte er feixend hinzu.
Dann machte er doch glatt den Vorschlag, den angekokelten Schäfer als Demonstrationsobjekt für den ABC-Unterricht bei den Einheiten am Fliegerhorst herum zureichen, damit jeder drastisch sehen konnte, wie Leute nach einem Atombombenangriff aussehen – zumindest von hinten. Der Geschädigte wehrte sich jedoch vehement gegen diese Ehre. Selbst ein, zwei Tage Sonderurlaub konnten ihn nicht umstimmen.
Das Übelste für den Gefreiten Schäfer war, daß er mehrere Tage nicht auf seinem Allerwertesten sitzen konnte. Seine Flamme ließ sich angeblich ihren versengten Busen vom Hausarzt behandeln. Die Frage stellt sich, was war wohl unangenehmer? Oder besser noch, was wäre wohl gewesen, wenn der Schäfer auf dem Rücken gelegen hätte? Da wäre es sicher für einige Zeit mit den Liebesfreuden ganz vorbei gewesen.
Immer noch schmunzelnd schnappt sich Rossner seinen olivgrünen Kulturbeutel und das ebenfalls olivgrüne Handtuch und schlendert zum Waschraum. Dort herrscht gähnende Leere: Die anderen werden wohl wieder in ihre Betten gekrochen sein. Während er seinen Stoppelbart abkratzt, kommt er nochmals auf die Badegelegenheiten zurück. Es existieren eine Reihe weiterer populärer Badeseen in der Umgebung, wie zum Beispiel der Ettwieser Weiher und der Kuhstallweiher. Rossner schüttelt den Kopf … Was für ein Name! Während am Ettwieser Weiher einige Umkleidekabinen und weitere Einrichtungen vorhanden sind, hat der Kuhstallweiher außer zwei Holzstegen, von denen aus man ins Wasser springen kann, keinerlei weiteren Komfort zu bieten, von der lieblichen Landschaft abgesehen. Bemerkenswert ist der Kuhstallweiher deshalb, weil er in einem Moorgebiet liegt. Da kann man herrliche Schlammschlachten veranstalten oder Moorpackungen nehmen. Für die Jungs war es ein lustiger Zeitvertreib, die Mädels mit schwarzem Schlamm zu bewerfen. Da ging schon mal die eine oder andere toll gestylte Frisur flöten. Es folgten Gezeter und böse Worte, und als Ergebnis ging manche Liebschaft zu Bruch. Das Wasser war im Grunde genommen nichts weiter als eine dunkelbraune bis schwarze Brühe …

So, das war’s für heute. Die Fortsetzung beginnt mit Reflektionen auf das Allgäu …

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzung folgt …)

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 7

Herta Müller, Rumänien und Kaufbeuren

Die Berichte über die rumänien-deutsche Nobelpreisträgerin Herta Müller haben mich seltsam berührt, denn mit Rumänien und den einstmals dort zahlreichen deutschstämmigen Volksgruppen verbinden mich bemerkenswerte Erinnerungen. Da kommen wieder die Bilder hoch, wie zwei Freunde und ich im VW-Sambabus aus dem Iran und Anatolien kommend, im Spätsommer 1968 über Bulgarien nach Rumänien fuhren. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem die unglaubliche Gastfreundschaft der Rumäniendeutschen. Es verdient festgehalten zu werden, daß es um die gastfreundliche Aufnahme in Anatolien und im Iran ähnlich gut bestellt war. Wir, die wir als völlig Fremde abends ein Dorf erreichten, waren immer willkommen, egal wie arm die Leute waren – und die anatolischen und iranischen Bauern waren damals bitter arm! Ausgangspunkt der abenteuerlichen Reise war übrigens die heute nicht mehr existierende Shell-Tankstelle an der Mindelheimer Straße in Kaufbeuren im Allgäu …

Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem Reisetagebuch:

In der Nähe von Sibiu, dem ehemaligen Hermannstadt, hatten wir uns verfranst. Da kam ein großes Gehöft in Sicht, vor dem ein paar Leute standen. Bevor ich mich richtig nach dem Weg erkundigen konnte, rief ein Mann: “Seid’s ihr Reichsdeutsche?” Diese Frage waren wir nun schon gewohnt. “Reichsdeutscher” ist gleich “Westdeutscher“, so einfach war das. Von den sozialistischen Brüdern in der DDR wollte man anscheinend nichts wissen. Ich bestätigte also, daß meine Freunde und ich aus Westdeutschland kämen. Da hellten sich die Mienen auf und man bat uns in das stattliche Wohnhaus, das heißt in die Küche, wie das so üblich war. Das Wohnzimmer blieb Familienfesten, wie Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen, der Weihnachtsfeier usw. vorbehalten. Die Küche sah wieder einmal recht rustikal aus. Ein offener Herd, mit darüber hängenden Kesseln, Töpfen und Pfannen, ein langer Tisch mit einer gut zolldicken Platte, zwei Bänke und einige vom Alter gezeichnete Truhen bildeten das gesamte Mobiliar. Weitere Gegenstände, Taschen, Körbe und Kleidungsstücke hingen an Holzpflöcken, die man in die Wände getrieben hatte. Der Fußboden bestand aus gestampftem Lehm. Auf allem lag die Patina von Jahrhunderten.

Da es später Nachmittag war, fragten wir, wo wir eventuell übernachten könnten. Da bot man uns ein Nachtlager im duftenden Heuschober an. Ich hatte bemerkt, daß im Hof gleich zwei PKWs standen, die freundlichen Gastgeber konnten also nicht arm sein. Dies bestätigte sich hinterher. Von dem einst riesigen Anwesen hatten die Kommunisten zwar Felder, Wiesen und Wälder verstaatlicht, der Hof, die Scheunen, der große Gemüsegarten und eine Wiese, waren den Eigentümern jedoch geblieben. Es war ihnen auch erlaubt, zwei Kühe, ein paar Ziegen und jede Menge Hühner für den Privatgebrauch zu halten. Da konnte man auch ganz gut schummeln, denn der Bauer hatte noch eine Kuh und mehrere Ziegen bei ärmeren rumänischen Nachbarn untergebracht, wie er verschmitzt grinsend berichtete.

Trotz des augenscheinlich bescheidenen Wohlstandes wollen die Leute partout in den Westen, oder wie sie sich ausdrückten, “heim ins Reich”. Wir versuchten sie mit dem Argument, daß im Westen auch nicht alles Gold wäre was glänzt, davon abzubringen, jedoch vergeblich. Sie wollten einfach raus aus Rumänien. Sie konnten sich einfach nicht mit den Kommunisten identifizieren, die es zuließen, daß so viele der Landsleute ein schreckliches Schicksal erlitten hatten. Vor allem die Verschleppungen durch die Sowjets waren noch frisch in Erinnerung. Da nützte auch der Hinweis nichts, daß Staatspräsident Nicolae Ceausescu gerade eine vorsichtige Hinwendung zum Westen begonnen hatte.

Beitrag von Peter M.Roese

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 5

Peter M. RoesePeter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 5

So, jetzt erfährt der Leser wie das mit dem turbulenten Sonntagmorgen in der Kaserne ausging. Es beginnt mit der Aussage des GvD …

“I hens dem Uffz gsagt, daß er ruhig sei soll”, beteuert der schwitzende kleine, dicke Schwabe angstschlotternd, “aber der het ja net auf mi ghört, des müsset ihr mit glaube.”
Die Anwesenden zeigen tatsächlich vollstes Verständnis, denn einem Gefreiten, zumal einem Wehrpflichtigen kurz vor dem Abgang, nimmt man unbesehen ab, daß er nicht dienstgeil ist. Dem würde es auch niemals im Traum einfallen müde Krieger, die ihren ‘beauty sleep’ dringend benötigen, am Wochenende frühzeitig oder überhaupt zu wecken.
“Gefreiter Häberle nehmen Sie sich einen Stuhl und postieren Sie sich vor dem UvD-Zimmer”, empfiehlt der Oberfeldwebel. “Schließlich ist Dienst, Dienst und Schnaps, Schnaps.”
Da fängt Rossner unvermittelt zu lachen an. Die Umstehenden blicken ihn erstaunt an. “Ja, ja, unser dienstgeiler UvD … Da muß ich an den Typen von der Marine denken, der mir in Bremen die Geschichte von einem UvD erzählte.” Er hält inne. “Oder heißt das bei denen Maat vom Dienst? Na ja, egal, auf seinem Kahn weckte er die Kameraden jedenfalls mit folgendem Spruch: ‘Kommt hoch, kommt hoch, ihr müden Leiber, die Pier steht voller nackter Weiber.’ Da soll ein Witzbold lautstark geantwortet haben: ‘Der UvD der hat gelogen, die Weiber sind doch angezogen!’ Ja, so oder ähnlich war das.”
Da ist das Gelächter groß … Nach einer Weile gehen Sie auseinander …

Rossner kehrt zurück in seine Stube und macht sich ans Frühstück …
Während er die geräucherten Würste akribisch in dünne Scheibchen schneidet und auf das Butterbrot legt, sagt er halblaut vor sich hin: “Ich kann mir eigentlich Zeit lassen, wir treffen uns ja erst um Zwei heute Nachmittag am Mäuerchen, an der Kreuzung gegenüber dem Ringcafé. Mal sehen was wir unternehmen. Vielleicht könnte man zum Bärensee wandern.”
Der Bärensee … Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Der Bärensee mit den ihn umgebenden Wäldern und Buschgruppen ist nicht nur ein beliebtes Badeziel, sondern hat sich im Laufe der Jahrzehnte auch zu einer Art Spielwiese für Liebespärchen entwickelt.Man könnte dieses herrliche Fleckchen Erde mit Fug und Recht ‘Liebesgrund’ taufen. Möglicherweise hatte die Stadt die rasante Bevölkerungszunahme nicht nur den Flüchtlingen zu verdanken, sondern auch den Aktivitäten der Soldaten im ‘Liebesgrund’? Das wäre doch mal ein lohnendes Thema für Heimatforscher, ja eventuell auch für Ethnologen und Anthropologen. Ja, man könnte sich sogar eine Doktorarbeit darüber vorstellen. Hier ein Vorschlag für den Titel: ‘Der stimulierende Einfluß der der Biosphäre ‘Liebesgrund’ auf die Höhe der Population in benachbarten Gemeinden.’ Rossner lacht in sich hinein …

Was geschieht denn da am Bärensee? Mehr darüber bald …

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzung folgt ….)

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 6

Allgäu Sixties Teil 7

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 3

Peter M. RoesePeter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 3

Verweilen wir noch etwas auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren, diesem erstaunlichen (militärischen) Fleckchen Erde …

Rossner streckt sich, atmet tief durch und füllt seine Lungen mit dem balsamischen Lebenselexier. Es ist ein Bild des Friedens, das sich dem Betrachter darbietet … Ein Bild des Friedens? In einer Bundeswehrkaserne? Oh Wunder! Aber es ist tatsächlich so! Das Gebäude aus dem Rossner auf das friedliche Bild blickt, steht, wie gesagt, auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren Mit der Bezeichnung Fliegerhorst, Abkürzung FlgH, hatten die sonst wirlikch nicht zu poetischen Ergüssen neigenden Militärs das richtige Wort getroffen, denn wie ein Adlerhorst thront die Kaserne mit der Start- und Landebahn über dem heimeligen alten Städtchen zu seinen Füßen.Von der Rollbahn des Militärflughafens kann man sich mit etwas Phantasie wie mit den Schwingen eines Adlers in die Lüfte erheben. Und was erblickt das Adlerauge vor sich? Da liegt das atemberaubende Panorama der Alpen – schönes Wetter natürlich vorausgesetzt. Rechter und linker Hand erstrecken sich die sanften Hügel des Voralpenlandes. Zweifellos verdient diese militärische Einrichtung das Prädikat ’schönster Fliegerhorst der Bundesrepublik’.
Im Gegensatz zu vielen anderen Etablissements dieser Art, die weitab von jeglicher Zivilisation liegen, gelangt der tatendurstige Krieger vom hiesigen Fliegerhorst über den steilen Obergefreitenschnellweg binnen weniger Minuten hinab in die Stadt. Der Rückweg mag sich allerdings, vor allem in der Dunkelheit, für einen nicht mehr nüchteren Kameraden schwierig gestalten, da ist schon mancher auf allen Vieren raufgekrabbelt. Wenn der Druck auf die Blase unterwegs zu stark wurde, konnte man in die Büsche bieseln, von denen herrscht hier kein Mangel.

Das nächste Mal kommt noch ein wenig über das Militär, bevor wir uns zivilen Gefilden zuwenden …

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzun folgt …)

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 6

Allgäu Sixties Teil 7

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 2

Peter M. RoesePeter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil II

“Allgäu Sixties” heißt die Story, welche die Erlebnisse des Protagonisten Rossner am Fliegerhorst Kaufbeuren beschreibt. Aber keine Angst, es geht hier nicht nur um militärische Dinge, das ist sozusagen nur der Rahmen. Gefüllt wird er von Impressionen über Kaufbeuren und das Allgäu, denn wie gesagt, Rossner findet schnell ‘zivilen’ Anschluß. Hier einige Auszüge aus dem Manuskript. Die Handlung spielt im Jahr 1967 …

Es ist ein strahlender Sonntagmorgen im Frühsommer, kurz vor sieben Uhr. Zwei Doppelstockbetten stehen in der Stube, von denen nur das vorderste unten belegt ist. Dort ruht sanft vor sich hinschnarchend eine Gestalt in Morpheus Armen, und betreibt Matratzenhorchdienst. Auf einmal ertönt ein gedämpftes, angenehmes Brummen: “Sssmmmm … sssmmmm … sssmmmm …” Dann bricht das Geräusch ab und es herrscht wieder Ruhe. Rossner öffnet verwundert die Augen. Ja, was ist denn das? Direkt vor seiner Nase krabbelt eine dicke Hummel auf der weiß-blau karierten Bettdecke. Himmel! Hat diese Hummel erwa den stoppelbärtigen, zerknitterten Vaterlandsverteidiger mit einer bunten Blume verwechselt? Das kann doch wohl nicht sein! Fasziniert betrachtet Rossner das possierliche, pelzige Insekt, wie es sich hingebungsvoll putzt. Vorsichtig lüftet er die Bettdecke und schält sich aus seinem Nachtlager. An sich ist der notorische Langschläfer der Hummel nicht einmal böse für die Störung, denn gerade im Frühjahr und Sommer hat er es schon öfters bedauert, daß er an freien Tagen bis in die Puppen schläft, anstatt sich einen Sonnenaufgang anzusehen oder zumindest die morgendliche Stimmung und die frische, erquickende Luft zu genießen. Er begibt sich gähnend und streckend zum Fenster. Dabei fällt sein Blick auf die Gardinenstange, wo gut ein Dutzend geräucherter Bauernseufzer hängen. Bauernseufzer? Wir befinden uns doch nicht in der Zeit der Bauernkriege, wo man die unterlegenen Bauern reihenweise umgebracht hat? Da seufzten nicht wenige …
“Die guten geräucherten Würste, diese Spezialität aus der fränkischen Heimat”, murmelt Rossner verzückt bei dem Anblick. Aha, das ist die Erklärung!
Dann beugt er sich aus dem geöffneten Fenster und schaut auf den saftig grünen Rasen. unter den hohen, schattenspendenden Bäumen. Vereinzelte Sonnenstrahlen stehlen sich durch das dichte Laubdach und zaubern geheimnisvolle Muster auf den grünen Teppich. Kein Lüftchen regt sich im Moment und hier im Schatten ist es noch recht frisch. Die sonntägliche Stille wird nur durch gelegentliches Vogelgezwitscher unterbrochen.

So also beginnt das Manuskript “Allgäu Sixties”. Befinden wir uns etwa in der Sommerfrische? Man sollte es kaum glauben, aber so friedlich ging es an den meisten Wochenenden auf dem Fliegerhorst zu!

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzung folgt …)

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 6

Allgäu Sixties Teil 7

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 1

Peter M. RoesePeter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil I


Die Beatles, die Stones, der Minirock, die Pille, die Emanzipation der Frau, die freie Liebe, der Vietnamkrieg, der Schah und seine Farah Diba, Studentenrevolten … das sind einige der Schlagworte aus jenen Jahren, die als die “60er” in die Geschichte eingingen. Mit der Aufarbeitung dieser turbulenten Zeit beschäftigen sich fast ausschließlich Intellektuelle, die heute als Lehrer, Rechtsanwälte, Manager, Ärzte usw. tätig sind. Die Masse der jungen Leute von damals kommt jedoch kaum zu Wort. Das soll sich mit “Allgäu Sixties” ändern, denn in dieser Gruppe befanden sich viele die gegen Eltern, Lehrer und Lehrherren aufmuckten, denn nicht nur unter den Talaren der Uniprofessoren war der Mief von Tausend Jahren …

Wie sah es da in den 60ern in Kaufbeuren aus? Da gab es eine Gruppe junger Leute, Schüler, Lehrlinge, Bundeswehr’ler usw. Die hatten sich lose zusammengeschlossen und nannten sich BHIGMIPS, nach den Initialen der Gründerinnen und Gründer. Eine Rock-Band hatten sie auch noch, die ‘Caddy Group’! Das war der Traum aller jungen Leute – vor allem der Mädels! Übrigens, einige der damals Beteiligten treffen sich auch heute noch hin und wieder …

Ein betagtes Gartenhaus in Kaufbeuren, genauer gesagt im Stadtteil Neugablonz, spielt eine zentrale Rolle, denn hier wurde schon manche Idee geboren. Hier wurden die alten Geschichten aus den unergründlichen Tiefen des Gedächtnisses hervorgekramt, um wieder und wieder rezitiert zu werden. So blieben sie gut im Gedächtnis haften.
Diese Gedächtnisübungen mit dem saloppen amerikanischen Spruch von dem ‘think tank’, wo die ‘eggheads’ ‘brain storming’ betreiben, zu vergleichen, wäre vielleicht etwas weit hergeholt … aber trotzdem! davon abgesehen, in diesem Gartenhaus fanden vielleicht Feten statt! Halten sich sagen wir mal sieben, acht Leute innen drin auf, meint man es wäre bereits voll. Aber weit gefehlt! Da stieg vor Jahren jene unvergessliche Party, zu der fünfzig Leute erschienen. Es war zwar kühl draußen, aber drinnen legten die Gäste unnötige Kleidungsstücke ab, so heiß war es. Einige Teilnehmer saßen sogar in den Rahmen der geöffneten oder ausgehängten Fenster, denn sonst hätten sie keinen Platz gefunden.

Zahlreiche weitere Anekdoten ranken sich um dieses Gartenhaus. Greifen wir nur eine davon heraus: Bei einem der späteren Besuche in den 90er Jahren wollten die Kinder unbedingt mit mir einmal im Gartenhaus übernachten. Ich erklärte mich bereit, den Spaß mitzumachen. Wie es in dem dem Alter der Kids, so zwischen 8 und zwölf Jahren nun einmal üblich ist, rüsteten sie sich mit Taschenlampen, Knüppeln und Messern usw. aus. Es könnten ja ein Einbrecher auftauchen oder ein Überfall stattfinden! Jedenfalls war es eine Gaudi und erst weit nach Mitternacht warf der letzte Rabauke das Handtuch. Am nächsten Morgen erschien die Schwägerin völlig aufgelöst bei den Freunden. Höchst aufgeregt verkündete sie, im Gartenhaus würden Penner nächtigen! Da war das Gelächter groß! Die gute Frau konnte schnell aufgeklärt werden.

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzung folgt …)

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 6

Allgäu Sixties Teil 7

Schwangau

Die Daten von Schwangau:
Bundesland: Bayern
Höhe: 796m ü. NN
Fläche: 76,06km²
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Ostallgäu
Postleitzahl: 87643–87645
Vorwahl: 08362
Kfz-Kennzeichen: OAL
Internetseite: www.schwangau.de
Wappen Schwangau

Wappen Schwangau aus dem Medienarchiv Wikimedia Commons

In dem Ortsteil Hohenschwangau, des heilklimatischen Kurortes Schwangau, stehen die weltberühmten Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau. Neuschwanstein ist vielen Japanern und Chinesen wohlbekannt. Ich habe vor einigen Jahren 20 000 Kilometer von Hohenschwangau entfernt je ein Poster von Neuschwanstein und König Ludwig II. nebeneinander an einer Wand hängen sehen. Das war in der Südsee, im Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Nukualofa, der schnuckeligen Hauptstadt des Königreiches Tonga. Wo sich heute das Schloß Neuschwanstein befindet, stand einst die zweiteilige Burg Schwangau, auch Vorder- und Hinterhohenschwangau genannt. Die beiden Teile der Burg waren durch eine Felskluft voneinander getrennt. Erstmalig erwähnt wurde sie 1090/97. Diese Burg der Herren von Schwangau verfiel bereits im 17. Jahrh.. Zwischen 1869 und 1886 ließ König Ludwig II. anstelle der alten Burg das Schloß Neuschwanstein im neuromanischen Stil erbauen. Vorbild war übrigens die Wartburg. Das in historisierendem Stil errichtete Schloß Hohenschwangau geht auf den Schwanenturm, auch Burg Schwanstein genannt, zurück. 1363 wird das Bauwerk der Herren von Schwangau erstmalig erwähnt. Später war die Burg dann bayerische Grenzfeste gegen Tirol, die während der Napolionischen Kriege zerstört wurde. Kronprinz Maximilian von Bayern ließ das Schloß zwischen 1832 und 1837 errichten. Dabei wurden auch Teile der ursprünglichen Burgruine Schwanstein mit einbezogen. Etwa dreihundert Meter entfernt, westlich von Hohenschwangau auf einem Hügel, stand die Burg Frauenstein. Auch sie gehörte den Herren von Schwanstein. Von ihr ist nichts mehr zu sehen, lediglich ein Gedenkstein erinnert an ihre einstige Existenz. Auf der weiten Ebene vor den Königsschlössern steht die barocke Wallfahrtskirche St. Coloman. Am 2. Sonntag im Oktober findet dort alljährlich das spektakuläre Colomansfest statt. Der markante Tegelberg, auf dem römische Siedlungsreste liegen, ist ein Eldorado für Drachen- und Gleitschirmflieger. Wie bunte Schmetterlinge gleiten sie bei schönem Wetter lautlos um den Berg.

Autor: Peter M. Roese