Der Pestfriedhof (Markt-) Oberdorf

Es könnte ein idyllisches Plätzchen sein, wäre nicht das Leid vergangener Tage damit verbunden. Es kam in Gestalt des ‘Schwarzen Todes’, vor allem im Gefolge des 30jährigen Krieges (1618-1648), der unsägliches Leid über Europa brachte. Zu dieser Zeit wurde der ‘Pestacker‘, wie man damals sagte, möglichst weit entfernt von menschlichen Behausungen angelegt. Er befindet sich im Hochwieswald, wenn man von Marktoberdorf her kommt linker Hand, oberhalb vom Kuhstallweiher und dem Römerbad bei Kohlhunden, direkt an der neuen Straße nach Seeg. Der Friedhof wurde übrigens 1913 restauriert. Er enthält einige interessante, alte schmiedeeiserne Grabkreuze. Eine kürzlich angebrachte Informationstafel vermittelt Details über den Friedhof.


Vor allem durch den schon im Mittelalter lebhaften Fernhandel mit Asien kamen nicht selten ansteckende Krankheitserreger nach Europa. Wenn es zu Epidemien kam waren die damaligen Ärzte machtlos. Heute weiß man, daß die Pest durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird. Es wird durch Flöhe auf Nagetiere (vor allem Ratten) übertragen und von diesen auf den Menschen. Verschiedene Formen dieser Infektionskrankheit sind bekannt: Beulenpest, nicht voll ausgebrochene (abortive) Pest, Lungenpest und Pestsepsis. Die Bezeichnung ‘Schwarzer Tod‘ setzte sich im 17. Jahrhundert durch. Man hatte nämlich beobachtet, daß es bei den Erkrankten zu Blutungen unter der Haut kam, die sich bei Gerinnung schwarz verfärbten. Man sah in der Pest die Strafe Gottes für die Verfehlungen der Menschen. Es kam zu üblen Begleiterscheinungen, d.h. man fand als Sündenböcke Juden, Ausländer, Bettler, Hexen und Hexenmeister und verfolgte sie erbarmungslos. Man erkannte das große Ansteckungspotential – das war aber auch alles. Bei Ausbruch einer Epidemie tauchten überall ‘Pestmänner‘ auf, die Masken und lange, dunkle Gewänder trugen. Sie suchten Kranke und trieben diese aus den Ortschaften. Dabei verwendeten sie lange Stäbe, daß ihnen ja keiner der Kranken zu nahe kam. Man versuchte die ‘Pestillenz‘ durch Ausräuchern und Kalkstreuen zu vertreiben. Als weitere Maßnahme vermied man es auch die Pesttoten auf den Friedhöfen zu beerdigen, und legte weit außerhalb der Siedlungen Pestfriedhöfe an. Verheerende Epidemien gab es im Allgäu 1006, um 1350 (Beulenpest, mehr als die Hälfte der Allgäuer wurde hinweggerafft), 1482-1484, das ganze 16. Jahrhundert hindurch, im 17. Jahrhundert vor allem während des 30jährigen Krieges.

Da die Krankheit wie ein gewöhnlicher Schnupfen begann, mit allen Begleiterscheinungen, einschließlich geräuschvollem Niesen, führte man den ‘Gesundheitswunsch‘ ein Ruft man heutzutage jemandem der niest ein herzhaftes “Gesundheit!” zu, denkt wohl kaum jemand daran, daß dieser Ausspruch aus jener Zeit stammt als die gefürchtete Pest grassierte.

Author: Peter M. Roese

Kaufbeuren (Teil 2)

Die Vertretung der Bürger, der “Rat”, mit dem Bürgermeister an der Spitze, bestimmte von nun an die Politik der Stadt. Die Hauptstützen der Wirtschaft waren neben dem Handel die Textilbetriebe, die Herstellung von Rüstungen und Feuerwaffen und die Papierherstellung. Die Zeiten waren aber nicht immer nur friedlich und so hatte Kaufbeuren im 14. Jahrh. drei Belagerungen durchzustehen, die aber allesamt glimpflich ausgingen. Von Feuersbrünsten und der Pest blieb die Stadt jedoch ebenso wenig verschont wie andere Gemeinwesen im Mittelalter. Die schlimmsten Heimsuchung gab es aber im 30jährigen Krieg (1618-1648). Mehrmals plünderten kaiserliche und schwedische Scharen abwechselnd die Stadt. Damit nicht genug, denn 1627/28 gab es wieder eine Pestepidemie, die fast 80% der Bevölkerung dahinraffte. Kaufbeuren erholte sich lange nicht von diesen Schicksalsschlägen. Aber das ging vielen Städten auch so. Gegen Ende des 18. Jahrhs. wurde der mechanische Webstuhl erfunden, was der Textilbranche der Stadt enormen Schaden zufügte.. Zu Beginn des 19. Jahrh. war es dann auch vorbei mit den Privilegien einer Freien Reichsstadt, als im September 1802 bayerische Truppen einmarschierten.

Author: Peter M. Roese

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