Marktoberdorf
| Die Daten von Marktoberdorf: | |
|---|---|
| Bundesland: | Bayern |
| Höhe: | 727–790m ü. NN |
| Fläche: | 95,25km² |
| Regierungsbezirk: | Schwaben |
| Landkreis: | Ostallgäu |
| Postleitzahl: | 87616 |
| Vorwahl: | 08342 |
| Kfz-Kennzeichen: | OAL |
| Internetseite: | www.marktoberdorf.de |
Man sieht es Marktoberdorf auf den ersten Blick nicht an, daß das Städtchen ein bedeutender Industriestandort für landwirtschaftliche Maschinen ist. Außerdem befindet sich in der Stadt seit 1963 auch noch der Verwaltungssitz des Landkreises Ostallgäu. Gleich südlich von Marktoberdorf hat man, so das Wetter mitspielt, einen sagenhaften Blick auf das beeindruckende Panorama der Alpen. Von dort aus ist es auch nur ein Katzensprung zu den beliebten Badeplätzen am Kuhstallweiher und Ettwieser Weiher. Seit dem Mittelalter hatten die Fürstbischöfe von Augsburg in Markt Oberdorf das sagen (1453 Marktrecht). An alten Gebäuden ist vor allem die herrliche, ehemals gotische Barockkirche Hl. Kreuz und St. Martin hervozuheben. Der Pfarrkirche wurde 1732-1738 von dem berühmten Baumeister Johann Georg Fischer ihre heutige Form verliehen. Das direkt neben der Pfarrkirche stehende ehemalige Jagdschloß der Augsburger Bischöfe wurde ebenfalls nach Plänen Fischers errichtet. Seit 1985 befindet sich dort die II. Bayerische Musikakademie. Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Alte Rathaus wurde 1723 umgebaut. Sehenswert sind auch das Stadtmuseum und das Riesengebirgsmuseum.
Der Pestfriedhof (Markt-) Oberdorf
Es könnte ein idyllisches Plätzchen sein, wäre nicht das Leid vergangener Tage damit verbunden. Es kam in Gestalt des ‘Schwarzen Todes’, vor allem im Gefolge des 30jährigen Krieges (1618-1648), der unsägliches Leid über Europa brachte. Zu dieser Zeit wurde der ‘Pestacker‘, wie man damals sagte, möglichst weit entfernt von menschlichen Behausungen angelegt. Er befindet sich im Hochwieswald, wenn man von Marktoberdorf her kommt linker Hand, oberhalb vom Kuhstallweiher und dem Römerbad bei Kohlhunden, direkt an der neuen Straße nach Seeg. Der Friedhof wurde übrigens 1913 restauriert. Er enthält einige interessante, alte schmiedeeiserne Grabkreuze. Eine kürzlich angebrachte Informationstafel vermittelt Details über den Friedhof.
Vor allem durch den schon im Mittelalter lebhaften Fernhandel mit Asien kamen nicht selten ansteckende Krankheitserreger nach Europa. Wenn es zu Epidemien kam waren die damaligen Ärzte machtlos. Heute weiß man, daß die Pest durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird. Es wird durch Flöhe auf Nagetiere (vor allem Ratten) übertragen und von diesen auf den Menschen. Verschiedene Formen dieser Infektionskrankheit sind bekannt: Beulenpest, nicht voll ausgebrochene (abortive) Pest, Lungenpest und Pestsepsis. Die Bezeichnung ‘Schwarzer Tod‘ setzte sich im 17. Jahrhundert durch. Man hatte nämlich beobachtet, daß es bei den Erkrankten zu Blutungen unter der Haut kam, die sich bei Gerinnung schwarz verfärbten. Man sah in der Pest die Strafe Gottes für die Verfehlungen der Menschen. Es kam zu üblen Begleiterscheinungen, d.h. man fand als Sündenböcke Juden, Ausländer, Bettler, Hexen und Hexenmeister und verfolgte sie erbarmungslos. Man erkannte das große Ansteckungspotential – das war aber auch alles. Bei Ausbruch einer Epidemie tauchten überall ‘Pestmänner‘ auf, die Masken und lange, dunkle Gewänder trugen. Sie suchten Kranke und trieben diese aus den Ortschaften. Dabei verwendeten sie lange Stäbe, daß ihnen ja keiner der Kranken zu nahe kam. Man versuchte die ‘Pestillenz‘ durch Ausräuchern und Kalkstreuen zu vertreiben. Als weitere Maßnahme vermied man es auch die Pesttoten auf den Friedhöfen zu beerdigen, und legte weit außerhalb der Siedlungen Pestfriedhöfe an. Verheerende Epidemien gab es im Allgäu 1006, um 1350 (Beulenpest, mehr als die Hälfte der Allgäuer wurde hinweggerafft), 1482-1484, das ganze 16. Jahrhundert hindurch, im 17. Jahrhundert vor allem während des 30jährigen Krieges.
Da die Krankheit wie ein gewöhnlicher Schnupfen begann, mit allen Begleiterscheinungen, einschließlich geräuschvollem Niesen, führte man den ‘Gesundheitswunsch‘ ein Ruft man heutzutage jemandem der niest ein herzhaftes “Gesundheit!” zu, denkt wohl kaum jemand daran, daß dieser Ausspruch aus jener Zeit stammt als die gefürchtete Pest grassierte.
Author: Peter M. Roese
Oneida Joe und die tödlichen Schatten Teil 3
Die Story von dem Indianer im Allgäu (historisches Manuskript, 1. Viertel 19.Jahrhundert) III. Teil
Nach den recht erfolgreichen Thrillern “Nigeria Connection” und “AFN Tehran” (www.rhombos.de Nigeria Connection / AFN Tehran), die ebenfalls einiges über das Allgäu enthalten, versucht sich Peter M. Roese nun mit einem historischen Roman. Selbstverständlich ist er gespannt auf die Resonanz der Leser, die sich den unten stehenden Beitrag (und die Fortsetzungen) ansehen.
Nach dem längeren Aufenthalt in Pfronten reiten Oneida Joe und Max über Marktoberdorf und Biessenhofen nach Frankenried bei Kaufbeuren, wo sie im Gasthof “Schwanen” absteigen. Von dort aus begeben sie sich zweimal nach Kaufbeuren, um Nachorschungen über die Schriftstellerin Sophie von La Roche anzustellen.
Der Schwanenwirt Johann Schmid hat die ankommenden Reiter bemerkt, tritt eilig vor die Türe, verbeugt sich höflich grüßend und ruft einen Knecht herbei, der die Pferde in die Stallungen führen soll. Erstaunt mustern die Gäst den Knecht. So etwas von einem bärtigen Gesicht haben sie selten gesehen. Gerade mal die Augen und die Nase lassen sich in dem graubraunen Gestrüpp erkennen. Der Eifer des Wirtes ist verständlich, denn in diesen mageren Zeiten darf man sich kein Geschäft entgehen lassen. Anschließend bittet er die Fremden in die Gaststube. Es ist ein niedriger Raum mit zwei Fenstern und einer Kassettenholzdecke. Max überreicht das Schreiben des Lehrers aus dem Pfrontener Tal. Da hellt sich das bärtige Gesicht des Wirtes auf.
“Selbstverständlich bekommts Ihr und Euer Begleiter a Kammer bei mir”, versichert er Max. Verschmitzt lächelnd fügt er hinzu: “Ihr ghörts ja praktisch zur Familie.” Dann wirft er einen scheuen Blick auf Joe und fragt: “Isch des tatsächlich a Indianr, wie der Lehrer schreibt?”
“Jawohl!” bestätigt Max lächelnd.
Während die Wirtin wohlschmeckenden, dampfenden Holundertee herbeibringt, der die Lebensgeister der verfrorenen Gäste wieder weckt, geht es um das Woher und Wohin. Es gesellen sich ein Bauer aus dem Ort, der Nachbar Xaver Wölfle der für den Schwanenwirt schlachtet, ein Schmied aus Mauerstetten und ein Tuchhändler hinzu, der aufatmend seine schwere Kraxe abstellt. Erstaunlich, daß dieses schlanke, schmächtige Männchen im braunen Gehrock, mit den durchdringenden schwarzen Augen und dem Dreispitz auf dem kahlen Schädel unter der schweren Last nicht zusammenbricht!
… … …
Während des Essens erkundigt sich Max nach Sophie von La Roche. Es folgt ein angeregter Wortwechsel. Der Name ruft jedoch nur verständnisloses Kopfschütteln hervor, denn niemand scheint ihn zu kennen. Doch da räuspert sich der jüdische Tuchhändler. Er hat gerade der Wirtin eine bunte Schürze zur Ansicht vorgelegt.
“Ein bescheidener Vorschlag, Ihr jungen Herren, wenn Ihr so gitig sein mächt, mir zuzuhören”, läßt sich der Anhänger Moses vernehmen. “Wendet Euch wegen der Sophie doch einmal an Jakob Franz Xaver Gaibler, is sich Maler in Kaufbeuren. Er sein vielseitig interessierter Mann, vielleicht weiß er etwas? Er wohnt in Pfarrgasse 15, mitten in Stadt.”
Max bedankt sich …

Gasthof Schwanen
Mit etwas Phantasie könnte sich diese Szene um etwa 1827 im “Schwanen” in Frankenried tatsächlich so abgespielt haben. Der Gasthof steht heute noch und nennt sich nun Landgasthof “Zum Goldenen Schwanen” (www.goldener-schwanen.de). Die Familie Baudisch betreibt ihn. Es gibt einen Biergarten und die Küche genießt einen guten Ruf!
(Fortsetzung folgt …)