Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 5

Peter M. RoesePeter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 5

So, jetzt erfährt der Leser wie das mit dem turbulenten Sonntagmorgen in der Kaserne ausging. Es beginnt mit der Aussage des GvD …

“I hens dem Uffz gsagt, daß er ruhig sei soll”, beteuert der schwitzende kleine, dicke Schwabe angstschlotternd, “aber der het ja net auf mi ghört, des müsset ihr mit glaube.”
Die Anwesenden zeigen tatsächlich vollstes Verständnis, denn einem Gefreiten, zumal einem Wehrpflichtigen kurz vor dem Abgang, nimmt man unbesehen ab, daß er nicht dienstgeil ist. Dem würde es auch niemals im Traum einfallen müde Krieger, die ihren ‘beauty sleep’ dringend benötigen, am Wochenende frühzeitig oder überhaupt zu wecken.
“Gefreiter Häberle nehmen Sie sich einen Stuhl und postieren Sie sich vor dem UvD-Zimmer”, empfiehlt der Oberfeldwebel. “Schließlich ist Dienst, Dienst und Schnaps, Schnaps.”
Da fängt Rossner unvermittelt zu lachen an. Die Umstehenden blicken ihn erstaunt an. “Ja, ja, unser dienstgeiler UvD … Da muß ich an den Typen von der Marine denken, der mir in Bremen die Geschichte von einem UvD erzählte.” Er hält inne. “Oder heißt das bei denen Maat vom Dienst? Na ja, egal, auf seinem Kahn weckte er die Kameraden jedenfalls mit folgendem Spruch: ‘Kommt hoch, kommt hoch, ihr müden Leiber, die Pier steht voller nackter Weiber.’ Da soll ein Witzbold lautstark geantwortet haben: ‘Der UvD der hat gelogen, die Weiber sind doch angezogen!’ Ja, so oder ähnlich war das.”
Da ist das Gelächter groß … Nach einer Weile gehen Sie auseinander …

Rossner kehrt zurück in seine Stube und macht sich ans Frühstück …
Während er die geräucherten Würste akribisch in dünne Scheibchen schneidet und auf das Butterbrot legt, sagt er halblaut vor sich hin: “Ich kann mir eigentlich Zeit lassen, wir treffen uns ja erst um Zwei heute Nachmittag am Mäuerchen, an der Kreuzung gegenüber dem Ringcafé. Mal sehen was wir unternehmen. Vielleicht könnte man zum Bärensee wandern.”
Der Bärensee … Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Der Bärensee mit den ihn umgebenden Wäldern und Buschgruppen ist nicht nur ein beliebtes Badeziel, sondern hat sich im Laufe der Jahrzehnte auch zu einer Art Spielwiese für Liebespärchen entwickelt.Man könnte dieses herrliche Fleckchen Erde mit Fug und Recht ‘Liebesgrund’ taufen. Möglicherweise hatte die Stadt die rasante Bevölkerungszunahme nicht nur den Flüchtlingen zu verdanken, sondern auch den Aktivitäten der Soldaten im ‘Liebesgrund’? Das wäre doch mal ein lohnendes Thema für Heimatforscher, ja eventuell auch für Ethnologen und Anthropologen. Ja, man könnte sich sogar eine Doktorarbeit darüber vorstellen. Hier ein Vorschlag für den Titel: ‘Der stimulierende Einfluß der der Biosphäre ‘Liebesgrund’ auf die Höhe der Population in benachbarten Gemeinden.’ Rossner lacht in sich hinein …

Was geschieht denn da am Bärensee? Mehr darüber bald …

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzung folgt ….)

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 6

Allgäu Sixties Teil 7

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 3

Peter M. RoesePeter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 3

Verweilen wir noch etwas auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren, diesem erstaunlichen (militärischen) Fleckchen Erde …

Rossner streckt sich, atmet tief durch und füllt seine Lungen mit dem balsamischen Lebenselexier. Es ist ein Bild des Friedens, das sich dem Betrachter darbietet … Ein Bild des Friedens? In einer Bundeswehrkaserne? Oh Wunder! Aber es ist tatsächlich so! Das Gebäude aus dem Rossner auf das friedliche Bild blickt, steht, wie gesagt, auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren Mit der Bezeichnung Fliegerhorst, Abkürzung FlgH, hatten die sonst wirlikch nicht zu poetischen Ergüssen neigenden Militärs das richtige Wort getroffen, denn wie ein Adlerhorst thront die Kaserne mit der Start- und Landebahn über dem heimeligen alten Städtchen zu seinen Füßen.Von der Rollbahn des Militärflughafens kann man sich mit etwas Phantasie wie mit den Schwingen eines Adlers in die Lüfte erheben. Und was erblickt das Adlerauge vor sich? Da liegt das atemberaubende Panorama der Alpen – schönes Wetter natürlich vorausgesetzt. Rechter und linker Hand erstrecken sich die sanften Hügel des Voralpenlandes. Zweifellos verdient diese militärische Einrichtung das Prädikat ’schönster Fliegerhorst der Bundesrepublik’.
Im Gegensatz zu vielen anderen Etablissements dieser Art, die weitab von jeglicher Zivilisation liegen, gelangt der tatendurstige Krieger vom hiesigen Fliegerhorst über den steilen Obergefreitenschnellweg binnen weniger Minuten hinab in die Stadt. Der Rückweg mag sich allerdings, vor allem in der Dunkelheit, für einen nicht mehr nüchteren Kameraden schwierig gestalten, da ist schon mancher auf allen Vieren raufgekrabbelt. Wenn der Druck auf die Blase unterwegs zu stark wurde, konnte man in die Büsche bieseln, von denen herrscht hier kein Mangel.

Das nächste Mal kommt noch ein wenig über das Militär, bevor wir uns zivilen Gefilden zuwenden …

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzun folgt …)

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 6

Allgäu Sixties Teil 7

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 2

Peter M. RoesePeter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil II

“Allgäu Sixties” heißt die Story, welche die Erlebnisse des Protagonisten Rossner am Fliegerhorst Kaufbeuren beschreibt. Aber keine Angst, es geht hier nicht nur um militärische Dinge, das ist sozusagen nur der Rahmen. Gefüllt wird er von Impressionen über Kaufbeuren und das Allgäu, denn wie gesagt, Rossner findet schnell ‘zivilen’ Anschluß. Hier einige Auszüge aus dem Manuskript. Die Handlung spielt im Jahr 1967 …

Es ist ein strahlender Sonntagmorgen im Frühsommer, kurz vor sieben Uhr. Zwei Doppelstockbetten stehen in der Stube, von denen nur das vorderste unten belegt ist. Dort ruht sanft vor sich hinschnarchend eine Gestalt in Morpheus Armen, und betreibt Matratzenhorchdienst. Auf einmal ertönt ein gedämpftes, angenehmes Brummen: “Sssmmmm … sssmmmm … sssmmmm …” Dann bricht das Geräusch ab und es herrscht wieder Ruhe. Rossner öffnet verwundert die Augen. Ja, was ist denn das? Direkt vor seiner Nase krabbelt eine dicke Hummel auf der weiß-blau karierten Bettdecke. Himmel! Hat diese Hummel erwa den stoppelbärtigen, zerknitterten Vaterlandsverteidiger mit einer bunten Blume verwechselt? Das kann doch wohl nicht sein! Fasziniert betrachtet Rossner das possierliche, pelzige Insekt, wie es sich hingebungsvoll putzt. Vorsichtig lüftet er die Bettdecke und schält sich aus seinem Nachtlager. An sich ist der notorische Langschläfer der Hummel nicht einmal böse für die Störung, denn gerade im Frühjahr und Sommer hat er es schon öfters bedauert, daß er an freien Tagen bis in die Puppen schläft, anstatt sich einen Sonnenaufgang anzusehen oder zumindest die morgendliche Stimmung und die frische, erquickende Luft zu genießen. Er begibt sich gähnend und streckend zum Fenster. Dabei fällt sein Blick auf die Gardinenstange, wo gut ein Dutzend geräucherter Bauernseufzer hängen. Bauernseufzer? Wir befinden uns doch nicht in der Zeit der Bauernkriege, wo man die unterlegenen Bauern reihenweise umgebracht hat? Da seufzten nicht wenige …
“Die guten geräucherten Würste, diese Spezialität aus der fränkischen Heimat”, murmelt Rossner verzückt bei dem Anblick. Aha, das ist die Erklärung!
Dann beugt er sich aus dem geöffneten Fenster und schaut auf den saftig grünen Rasen. unter den hohen, schattenspendenden Bäumen. Vereinzelte Sonnenstrahlen stehlen sich durch das dichte Laubdach und zaubern geheimnisvolle Muster auf den grünen Teppich. Kein Lüftchen regt sich im Moment und hier im Schatten ist es noch recht frisch. Die sonntägliche Stille wird nur durch gelegentliches Vogelgezwitscher unterbrochen.

So also beginnt das Manuskript “Allgäu Sixties”. Befinden wir uns etwa in der Sommerfrische? Man sollte es kaum glauben, aber so friedlich ging es an den meisten Wochenenden auf dem Fliegerhorst zu!

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzung folgt …)

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 6

Allgäu Sixties Teil 7

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 1

Peter M. RoesePeter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil I


Die Beatles, die Stones, der Minirock, die Pille, die Emanzipation der Frau, die freie Liebe, der Vietnamkrieg, der Schah und seine Farah Diba, Studentenrevolten … das sind einige der Schlagworte aus jenen Jahren, die als die “60er” in die Geschichte eingingen. Mit der Aufarbeitung dieser turbulenten Zeit beschäftigen sich fast ausschließlich Intellektuelle, die heute als Lehrer, Rechtsanwälte, Manager, Ärzte usw. tätig sind. Die Masse der jungen Leute von damals kommt jedoch kaum zu Wort. Das soll sich mit “Allgäu Sixties” ändern, denn in dieser Gruppe befanden sich viele die gegen Eltern, Lehrer und Lehrherren aufmuckten, denn nicht nur unter den Talaren der Uniprofessoren war der Mief von Tausend Jahren …

Wie sah es da in den 60ern in Kaufbeuren aus? Da gab es eine Gruppe junger Leute, Schüler, Lehrlinge, Bundeswehr’ler usw. Die hatten sich lose zusammengeschlossen und nannten sich BHIGMIPS, nach den Initialen der Gründerinnen und Gründer. Eine Rock-Band hatten sie auch noch, die ‘Caddy Group’! Das war der Traum aller jungen Leute – vor allem der Mädels! Übrigens, einige der damals Beteiligten treffen sich auch heute noch hin und wieder …

Ein betagtes Gartenhaus in Kaufbeuren, genauer gesagt im Stadtteil Neugablonz, spielt eine zentrale Rolle, denn hier wurde schon manche Idee geboren. Hier wurden die alten Geschichten aus den unergründlichen Tiefen des Gedächtnisses hervorgekramt, um wieder und wieder rezitiert zu werden. So blieben sie gut im Gedächtnis haften.
Diese Gedächtnisübungen mit dem saloppen amerikanischen Spruch von dem ‘think tank’, wo die ‘eggheads’ ‘brain storming’ betreiben, zu vergleichen, wäre vielleicht etwas weit hergeholt … aber trotzdem! davon abgesehen, in diesem Gartenhaus fanden vielleicht Feten statt! Halten sich sagen wir mal sieben, acht Leute innen drin auf, meint man es wäre bereits voll. Aber weit gefehlt! Da stieg vor Jahren jene unvergessliche Party, zu der fünfzig Leute erschienen. Es war zwar kühl draußen, aber drinnen legten die Gäste unnötige Kleidungsstücke ab, so heiß war es. Einige Teilnehmer saßen sogar in den Rahmen der geöffneten oder ausgehängten Fenster, denn sonst hätten sie keinen Platz gefunden.

Zahlreiche weitere Anekdoten ranken sich um dieses Gartenhaus. Greifen wir nur eine davon heraus: Bei einem der späteren Besuche in den 90er Jahren wollten die Kinder unbedingt mit mir einmal im Gartenhaus übernachten. Ich erklärte mich bereit, den Spaß mitzumachen. Wie es in dem dem Alter der Kids, so zwischen 8 und zwölf Jahren nun einmal üblich ist, rüsteten sie sich mit Taschenlampen, Knüppeln und Messern usw. aus. Es könnten ja ein Einbrecher auftauchen oder ein Überfall stattfinden! Jedenfalls war es eine Gaudi und erst weit nach Mitternacht warf der letzte Rabauke das Handtuch. Am nächsten Morgen erschien die Schwägerin völlig aufgelöst bei den Freunden. Höchst aufgeregt verkündete sie, im Gartenhaus würden Penner nächtigen! Da war das Gelächter groß! Die gute Frau konnte schnell aufgeklärt werden.

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzung folgt …)

Allgäu Sixties Teil 2

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