Impressionen aus dem Jahr 1966 von Peter M. Roese
Peter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”
Impressionen aus dem Jahr 1966 … Pilze sammeln bei Apfeltrang … Landgasthof Hubertus
Der Protagonist Rossner, stationiert am Fliegerhorst Kaufbeuren, geht mit Kameraden einer lohnenden Freizeitbeschäftigung nach …
“Du kennst dich doch mit Pilzen und so Zeug aus”, sagt Hübner zu Rossner.
“Ja, warum?”
“Ich habe von einem Einheimischen einen Geheimtipp bekommen. Da hinten bei Apfeltrang geht es rechts ab nach Wenglingen. Im sogenannten Salvawald und im Wenglinger Wald soll es massenhaft Pilze geben. Das Wetter ist ideal, feucht und noch verhältnismäßig warm für die Jahreszeit. Ich weiß das noch von meinem Großvater.” Hübner verdreht verzückt die Augen und ein verklärtes Lächeln tritt auf sein Gesicht. “Was hat Opa immer köstliche Pilzmahlzeiten in der Pfanne gebrutzelt.”
“Der Pflüger macht da bestimmt mit”, vermutet Rossner, “denn ohne fahrbaren Untersatz ist das ganz schön weit zu den Schwammerljagdgründen.”
Selbstverständlich ist Pflüger dabei. Durch die Hauptwache geht es hinunter nach Apfeltrang. Am Gasthof Hubertus biegen sie rechts ab.
“Übrigens, im Hubertus haben sie jetzt auch eine Kegelbahn”, informiert Rossner die Mitfahrer. “Außerdem, wer Wildbret mag ist hier ebenfalls richtig, denn der Wirt geht selbst auf die Jagd.”
Nun tuckert der Käfer den Hügel hinauf, Richtung Wenglingen. Üppige grüne Viehweiden werden gefolgt von dichten Wäldern, links und rechts der Straße. Der nasse Asphalt glänzt in der Sonne.
“Guckt euch diesen Pomadenhengst auf der Babybrumme hinter uns an”, ruft Pflüger, während er in den Rückspiegel schaut. “Der Motorroller ist garantiert frisiert – und wie!”
“Hier muß es sein”, vermutet Rossner.
Pflüger hält den Wagen am Straßenrand an. Der Motorroller knattert an ihnen vorbei, eine nach verbranntem Öl und sonstiger Chemie duftende, bläuliche Qualmwolke hinterlassend. Praktischerweise hat Pflüger zwei Einkaufsnetze im Wagen liegen.
“Auf zur Schwammerlpirsch!” ruft Rossner ausgelassen. “Es hat allerdings keinen Wert wenn wir hier breitflächig ausschwärmen, denn ihr kennt euch mit Pilzen nicht aus und würdet unnötige Mengen unbrauchbarer Arten ausreißen.”
Die Knobelbecher und die Amistiefel sind im feuchten Wald genau das richtige Schuhwerk. In nicht einmal eineinhalb Stunden haben die eifrigen Pilzsammler beide Einkaufsnetze gefüllt. Steinpilze, Maronenröhrlinge, Sandröhrlinge und Butterpilze liegen einträchtig nebeneinander, zwischendrin spitzen sogar einige gelbe Pfifferlinge hervor.
“Leute, Leute, das gibt ein köstliches Mahl”, jubelt Rossner, während sie die Pilze gleich an Ort und Stelle putzen. “Da kommen Öl und Zwiebeln in die Pfanne, und dann die Pilze, gewürzt wird mit Pfeffer und Salz, da wird das Pilzaroma nicht verfälscht.”
“Nach diesem erfolgreichen Jagdzug haben wir uns ein kühles Bier verdient, oder?” fragt Hübner. “Der Biergarten vom Hubertus ist ja noch offen.”
Da stimmen seine beiden Begleiter zu. Sie lassen sich nieder und bestellen drei Gläser Bier. Rossner sieht sich um. Neben ihnen sitzt ein Ehepaar mittleren Alters mit zwei halbwüchsigen Gören, die kichernd und tuschelnd zu den jungen Männern blicken. Gerade bringt die Bedienung das Essen, einen gefüllten großen Teller und vier leere kleinere, samt Bestecken. Drei saftige Hirschrückenmedaillons mit hellbrauner Nußkruste gekrönt, gruppieren sich um grünen Rahmwirsing. Das Ensemble ist garniert mit längsgeschnittenen, glasierten Karotten. Aus der hellbraunen Soße spitzen vorwitzig rote Preiselbeeren. Auf dem Tellerrand steht in grünen Schriftzügen ‘Landgasthof Hubertus’.
“Wenn wir unseren nächsten Wehrsold bekommen”, sagt Pflüger mit unterdrückter Stimme, den verführerischen Bratenduft schnuppernd, “dann investiere ich einiges für so einen Hirschrücken.”
“Gute Idee”, stimmen ihm Hübner und Rossner ihm wie aus einem Mund zu.
Als sie zum Fliegerhorst zurückgekehrt sind bereitet Rossner die Pilze zu. Es wird wahrhaftig eine köstliche Schlemmerei …
Soweit der Ausschnitt aus dem Manuskript. Damals wie heute gehört Wildbret zu den Spezialitäten des Hauses, das nach wie vor von der Familie Petrich geführt wird. In der Küche herrscht Thomas Petrich.
Landgasthof Hubertus
Wenglinger Str. 2
87674 Apfeltrang