Erstellt am 29.11.2009 01:13 Uhr in Bücher mit keinem Kommentar
Schlagworte Allgäu, Allgäu Sixties, Kaufbeuren, Kuhstallweiher, Moospflänzchen, Peter M. Roese
Peter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”
Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 7
Verweilen wir gerade noch einen kurzen Moment beim Kuhstallweiher …
… Als Karin einmal in einem schneeweißen Bikini, auf den sie besonders stolz war, ins Wasser ging und anschließend wieder herauskam, traf sie fast der Schlag, denn das schicke, wenn auch knappe Kleidungsstück hatte eine braune Färbung angenommen, die nie wieder heraus ging. Da war die kurz zuvor so stolze Trägerin natürlich stocksauer!
So, jetzt geht es weiter …
“Menschenskind”, murmelt Rossner, “was habe ich doch für ein Dusel gehabt, ausgerechnet in dieser herrlichen Ecke der Republik zu landen. Das hätte ich nie erwartet.”
Da hat er recht, denn wird das Allgäu erwähnt, denkt man dabei wohl weniger an die Luftwaffe. Da kommen einem eher sanfte Hügel mit sattgrünen Weiden in den Sinn, auf denen sich braune Kühe tummeln, deren Glocken melodisch bimmeln. Gesteigert werden die Eindrücke noch durch Berge, Wälder, Seen, Flüsse und Bäche, und heimelige Dörfer, die sich vertrauensvoll um teils mächtige Gotteshäuser scharen, an verstreut liegende rustikale Bauernhöfe mit üppiger Blumenpracht auf den Balkonen und immer mal wieder eine Kapelle oder hier und dort ein Marterl. Ach ja, so mancher Besucher fragt sich, wo denn diese hübschen, sanftäugig dreinblickenden Kühe eigentlich herkommen. Ganz einfach: Die stammen ursprünglich aus den Tälern der östlichen Schweiz. Aber um wieder auf die Luftwaffe zurückzukommen … Hand auf’s Herz, es müßte doch einfach berauschend für einen Piloten sein, im Tiefflug über diese herrliche Landschaft hinweg zu donnern! Nur ist das leider nicht erlaubt …
Nach dem Frühstück und der körperlichen Reinigung beschließt Rossner, im Moospflänzchen ein wenig Ordnung zu machen und Mao und Lumumba mit neuen Kupplungsscheiben und Panzerplatten zu versorgen. Das ist sozusagen deren Leib- und Magenspeise. Halt, halt! Moospflänzchen … Mao und Lumumba…. Kupplungsscheiben und Panzerplatten … Ja, was um Himmelswillen ist denn daaas? Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: Mao ist eine weiße Maus mit roten Augen, Lumumba eine schwarze Maus mit schwarzen Augen. Die possierlichen Tierchen fressen gerne das runde Vollkornbrot in der Dose, eben die Kupplungsscheiben und diese harten Bisquits, deswegen Panzerplatten, die fürchterlich aufquellen, wenn man sie in Wasser legt. Diese beiden Lebensmittel sind sozusagen der eiserne Grundstock der eisernen Ration, die den Soldaten im Feld vor dem Verhungern bewahren soll. Da kann man nur sagen: Guten Appetit! Und wo wohnen die beiden Mäuse? Natürlich im Moospflänzchen! Und das Moospflänzchen ist ein betagter VW-Bus!
In der nächsten Folge verläßt unser Protagonist den Fliegerhorst, und strebt zivilen Gefilden zu …
(Fortsetzung folgt …)
Beitrag von Peter M. Roese
Allgäu Sixties Teil 1
Allgäu Sixties Teil 2
Allgäu Sixties Teil 3
Allgäu Sixties Teil 4
Allgäu Sixties Teil 5
Allgäu Sixties Teil 6
Erstellt am 29.11.2009 01:01 Uhr in Bücher mit keinem Kommentar
Schlagworte Allgäu, Allgäu Sixties, Bärensee, Ettwieser Weiher, Kaufbeuren, Kuhstallweiher, Liebesgrundes, Peter M. Roese
Peter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”
Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 6
Endlich geht es weiter mit dem Bärensee …
Vor allem an den Wochenenden, im Frühjahr und Sommer, wenn die Sonne vom Himmel lacht, sind die lauschigen Plätzchen heiß begehrt. Der Besuch des ‘Liebesgrundes’ bereitet aber langfristig gesehen nicht unbedingt ausschließlich Freuden, sieht man einmal von ungewollten Schwangerschaften ab, wie zum Beispiel der Gefreite Schäfer nach einem Schäferstündchen zu seinem Leidwesen schmerzlich erfahren mußte. Der hatte sich vergangenes Jahr im Hochsommer mit seiner Flamme aus dem Schwesternheim in die Büsche verdrückt, und beide waren nach allerlei akrobatischen Liebesübungen erschöpft eingeschlafen. Er lag auf dem Bauch, die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel herab. Drei Stunden nach dem Schäferstündchen wachte Schäfer wieder auf und hatte einen mordsmäßigen Sonnenbrand auf seinem Rücken und vor allem auf seinem normalerweise lichtscheuen Allerwertesten. Die höllischen Schmerzen trieben ihn am Montag darauf sogar ins Krankenrevier.
“Rot wie ein Pavianhintern schaut das aus”, stellte der Oberstabsarzt, der ihn behandelte, fest. “Es scheint also doch zu stimmen, daß der Mensch vom Affen abstammt”, fügte er feixend hinzu.
Dann machte er doch glatt den Vorschlag, den angekokelten Schäfer als Demonstrationsobjekt für den ABC-Unterricht bei den Einheiten am Fliegerhorst herum zureichen, damit jeder drastisch sehen konnte, wie Leute nach einem Atombombenangriff aussehen – zumindest von hinten. Der Geschädigte wehrte sich jedoch vehement gegen diese Ehre. Selbst ein, zwei Tage Sonderurlaub konnten ihn nicht umstimmen.
Das Übelste für den Gefreiten Schäfer war, daß er mehrere Tage nicht auf seinem Allerwertesten sitzen konnte. Seine Flamme ließ sich angeblich ihren versengten Busen vom Hausarzt behandeln. Die Frage stellt sich, was war wohl unangenehmer? Oder besser noch, was wäre wohl gewesen, wenn der Schäfer auf dem Rücken gelegen hätte? Da wäre es sicher für einige Zeit mit den Liebesfreuden ganz vorbei gewesen.
Immer noch schmunzelnd schnappt sich Rossner seinen olivgrünen Kulturbeutel und das ebenfalls olivgrüne Handtuch und schlendert zum Waschraum. Dort herrscht gähnende Leere: Die anderen werden wohl wieder in ihre Betten gekrochen sein. Während er seinen Stoppelbart abkratzt, kommt er nochmals auf die Badegelegenheiten zurück. Es existieren eine Reihe weiterer populärer Badeseen in der Umgebung, wie zum Beispiel der Ettwieser Weiher und der Kuhstallweiher. Rossner schüttelt den Kopf … Was für ein Name! Während am Ettwieser Weiher einige Umkleidekabinen und weitere Einrichtungen vorhanden sind, hat der Kuhstallweiher außer zwei Holzstegen, von denen aus man ins Wasser springen kann, keinerlei weiteren Komfort zu bieten, von der lieblichen Landschaft abgesehen. Bemerkenswert ist der Kuhstallweiher deshalb, weil er in einem Moorgebiet liegt. Da kann man herrliche Schlammschlachten veranstalten oder Moorpackungen nehmen. Für die Jungs war es ein lustiger Zeitvertreib, die Mädels mit schwarzem Schlamm zu bewerfen. Da ging schon mal die eine oder andere toll gestylte Frisur flöten. Es folgten Gezeter und böse Worte, und als Ergebnis ging manche Liebschaft zu Bruch. Das Wasser war im Grunde genommen nichts weiter als eine dunkelbraune bis schwarze Brühe …
So, das war’s für heute. Die Fortsetzung beginnt mit Reflektionen auf das Allgäu …
Beitrag von Peter M. Roese
(Fortsetzung folgt …)
Allgäu Sixties Teil 1
Allgäu Sixties Teil 2
Allgäu Sixties Teil 3
Allgäu Sixties Teil 4
Allgäu Sixties Teil 5
Allgäu Sixties Teil 7
Erstellt am 05.04.2009 09:39 Uhr in Städte mit keinem Kommentar
Schlagworte Alpen, Augsburger Bischöfe, Barockkirche, Ettwieser Weiher, Fürstbischöfe, gotische, II. Bayerische Musikakademie, Industriestandort, Jagdschloß, Johann Georg Fischer, Kuhstallweiher, Marktoberdorf, Marktrecht, Maschinen, Mittelalter, Ostallgäu, Pfarrkirche, Verwaltungssitz
| Die Daten von Marktoberdorf: |
| Bundesland: |
Bayern |
| Höhe: |
727–790m ü. NN |
| Fläche: |
95,25km² |
| Regierungsbezirk: |
Schwaben |
| Landkreis: |
Ostallgäu |
| Postleitzahl: |
87616 |
| Vorwahl: |
08342 |
| Kfz-Kennzeichen: |
OAL |
| Internetseite: |
www.marktoberdorf.de |
Man sieht es Marktoberdorf auf den ersten Blick nicht an, daß das Städtchen ein bedeutender Industriestandort für landwirtschaftliche Maschinen ist. Außerdem befindet sich in der Stadt seit 1963 auch noch der Verwaltungssitz des Landkreises Ostallgäu. Gleich südlich von Marktoberdorf hat man, so das Wetter mitspielt, einen sagenhaften Blick auf das beeindruckende Panorama der Alpen. Von dort aus ist es auch nur ein Katzensprung zu den beliebten Badeplätzen am Kuhstallweiher und Ettwieser Weiher. Seit dem Mittelalter hatten die Fürstbischöfe von Augsburg in Markt Oberdorf das sagen (1453 Marktrecht). An alten Gebäuden ist vor allem die herrliche, ehemals gotische Barockkirche Hl. Kreuz und St. Martin hervozuheben. Der Pfarrkirche wurde 1732-1738 von dem berühmten Baumeister Johann Georg Fischer ihre heutige Form verliehen. Das direkt neben der Pfarrkirche stehende ehemalige Jagdschloß der Augsburger Bischöfe wurde ebenfalls nach Plänen Fischers errichtet. Seit 1985 befindet sich dort die II. Bayerische Musikakademie. Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Alte Rathaus wurde 1723 umgebaut. Sehenswert sind auch das Stadtmuseum und das Riesengebirgsmuseum.
Erstellt am 28.03.2009 16:51 Uhr in Bilder, Städte mit keinem Kommentar
Schlagworte 30jähriger Krieg, abortive Pest, Allgäu, Ansteckungspotential, Ärzte, Bakterium, Beulenpest, Blutung, Epidemie, Fernhandel, Friedhof, Gesundheitswunsch, Grabkreuze, Hochwieswald, Infektionskrankheit, Informationstafel, Karin Hartig, Kohlhunden, Krankheitserreger, Kuhstallweiher, Lungenpest, Marktoberdorf, Mittelalter, Oberdorf, Pest, Pestacker, Pestfriedhof, Pestillenz, Pestmänner, Pestsepsis, Pesttoten, Römerbad, schmiedeeisern, Schwarzen Todes, Schwarzer Tod, Seeg, Sündenböcke, Yersinia pestis
Es könnte ein idyllisches Plätzchen sein, wäre nicht das Leid vergangener Tage damit verbunden. Es kam in Gestalt des ‘Schwarzen Todes’, vor allem im Gefolge des 30jährigen Krieges (1618-1648), der unsägliches Leid über Europa brachte. Zu dieser Zeit wurde der ‘Pestacker‘, wie man damals sagte, möglichst weit entfernt von menschlichen Behausungen angelegt. Er befindet sich im Hochwieswald, wenn man von Marktoberdorf her kommt linker Hand, oberhalb vom Kuhstallweiher und dem Römerbad bei Kohlhunden, direkt an der neuen Straße nach Seeg. Der Friedhof wurde übrigens 1913 restauriert. Er enthält einige interessante, alte schmiedeeiserne Grabkreuze. Eine kürzlich angebrachte Informationstafel vermittelt Details über den Friedhof.
Vor allem durch den schon im Mittelalter lebhaften Fernhandel mit Asien kamen nicht selten ansteckende Krankheitserreger nach Europa. Wenn es zu Epidemien kam waren die damaligen Ärzte machtlos. Heute weiß man, daß die Pest durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird. Es wird durch Flöhe auf Nagetiere (vor allem Ratten) übertragen und von diesen auf den Menschen. Verschiedene Formen dieser Infektionskrankheit sind bekannt: Beulenpest, nicht voll ausgebrochene (abortive) Pest, Lungenpest und Pestsepsis. Die Bezeichnung ‘Schwarzer Tod‘ setzte sich im 17. Jahrhundert durch. Man hatte nämlich beobachtet, daß es bei den Erkrankten zu Blutungen unter der Haut kam, die sich bei Gerinnung schwarz verfärbten. Man sah in der Pest die Strafe Gottes für die Verfehlungen der Menschen. Es kam zu üblen Begleiterscheinungen, d.h. man fand als Sündenböcke Juden, Ausländer, Bettler, Hexen und Hexenmeister und verfolgte sie erbarmungslos. Man erkannte das große Ansteckungspotential – das war aber auch alles. Bei Ausbruch einer Epidemie tauchten überall ‘Pestmänner‘ auf, die Masken und lange, dunkle Gewänder trugen. Sie suchten Kranke und trieben diese aus den Ortschaften. Dabei verwendeten sie lange Stäbe, daß ihnen ja keiner der Kranken zu nahe kam. Man versuchte die ‘Pestillenz‘ durch Ausräuchern und Kalkstreuen zu vertreiben. Als weitere Maßnahme vermied man es auch die Pesttoten auf den Friedhöfen zu beerdigen, und legte weit außerhalb der Siedlungen Pestfriedhöfe an. Verheerende Epidemien gab es im Allgäu 1006, um 1350 (Beulenpest, mehr als die Hälfte der Allgäuer wurde hinweggerafft), 1482-1484, das ganze 16. Jahrhundert hindurch, im 17. Jahrhundert vor allem während des 30jährigen Krieges.
Da die Krankheit wie ein gewöhnlicher Schnupfen begann, mit allen Begleiterscheinungen, einschließlich geräuschvollem Niesen, führte man den ‘Gesundheitswunsch‘ ein Ruft man heutzutage jemandem der niest ein herzhaftes “Gesundheit!” zu, denkt wohl kaum jemand daran, daß dieser Ausspruch aus jener Zeit stammt als die gefürchtete Pest grassierte.
Author: Peter M. Roese