Das Fischhaus und die Ulrichskapelle bei Roßhaupten

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Foto: Rainy Roese

Mancher Autofahrer der auf der B16 nach Süden eilt, bemerkt kurz vor Roßhaupten linker Hand ein interessantes Ensemble: Ein stattliches Gebäude und links daneben eine Kapelle (dahinter ein großer Schuppen). Ein Haus oder ein Bauernhof mit Kapelle, das ist nichts ungewöhnliches im Allgäu – ungewöhnlich ist jedoch, daß ein Steg das Haus mit der Kapelle verbindet. Aber das ist noch nicht alles, denn wer sich hinüber begibt zur Kapelle findet eine Tafel, auf der folgende steht:

Fischhaus
(einst Insel im See)
der hochstiftischen Fischmeister,
erwähnt 1650 und 1763
1848 Dr. Geis. 1914 Geschlecht Linder.
Ulrichskapelle erwähnt 1594
neu erbaut um 1750 umgebaut 1855.

Eine ehemalige Insel? Ja, ein aufmerksamer Beobachter erkennt die Erhebung auf der die Gebäude stehen, die von einer umfangreichen Vertiefung, dem einstigen Gewässer, um geben ist. Ein Bach durchquert die Vertiefung, wohl der Zulauf des ehemaligen Sees oder Fischweihers. Um es vorauszuschicken, die Insel und der Fischhausweiher gehörten einst den Fürstbischöfen von Augsburg. Nach der Säkularisation 1803 kam alles zum Königreich Bayern. Der Fischweiher wurde 1804 aufgegeben, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Ob der letzte Fischmeister, der 1803 seinen Job verloren hatte, vor lauter Frust, den Stöpsel rauszog?

Etwa um 1450 ließ Peter von Schaumburg, der Fürstbischof von Augsburg, auf der kleinen Insel im Fischhausweiher ein Haus errichten. Dort wohnte sein Fischmeister, der das Fischgut verwaltete. Während des Bauernkrieges kam es 1523 zur Gründung des ‘Allgäuer Bundes’ unter Jörg Knopf aus Leubas. Die rebellierenden Bauern holten sich die Fische aus dem Teich. Nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes zog wieder ein Fischmeister in das Fischhaus ein.

Die Kapelle, dem hl. Ulrich geweiht, wurde 1594 erstmalig erwähnt. Dr. Benedikt Geis erwarb das Anwesen 1855 und ließ die Kapelle im neugotischen Stil mit Ziegelsteinen überbauen. Über den Steg erreicht man die Empore und zwei Räume, in denen nach dem 2. Weltkrieg Flüchtlinge untergebracht waren. Der letzte fürstbischöfliche Fischmeister soll übrigens unter der großen Steinplatte des Kapelleneingangs bestattet worden sein.

Im Sommer residierten die Fürstbischöfe von Augsburg im nahe gelegenen Füssen im Hohen Haus. Von dort aus unternahmen sie Jagdausflüge in die Umgebung. Auch der Fischfang war beliebt. Während der Fastenzeit und dem fleischlosen Freitag war Fisch hoch willkommen. Vermutlich diente die Insel im Fischhausweiher mit dem Fischhaus den Fürstbischöfen als Kulisse für rauschende Feste, wie das von anderen Orten bekannt ist. Um Geld für diese teuren Feten einzutreiben unternahmen die Kirchenfürsten ‘Umritte’, von denen in Roßhaupten einige bekannt sind. Da werden sich die Untertanen gefreut haben, wenn sie von ihrem Herrn geschröpft wurden Heute greifen unsere Oberen zu subtileren Mitteln: Otto Normalverbraucher bekommt als Arbeitnehmer schon eine Menge Steuern abgeknüpft, bevor er auch nur einen Euro erhält!

Beitrag von Peter M. Roese

Peter M. Roese Peter M. Roese wurde 1944 in Erlangen geboren und lebte einige Jahre in Kaufbeuren.

The corner for Allgäu friends in U.K. and U.S.A.

This is a report provided by Ann from U.K. on a recent trip to the Allgäu

This summer I was invited to join my German friends again. They picked me up from Frankfurt Airport and next day we travelled south on the Autobahn to Kemptenthe gate to the Allgäu‘. from there we had our first breathtaking view of the Alps in perfect weather.

We left the Autobahn and drove through the lovely green hilly countryside. Passing by the typical little alpine town of Nesselang we reached Pfronten-Berg where we visited the guesthouse ‘Oberer Wirt‘ for a refreshing Weißbier (wheat beer), served in the typical tall slim glasses. Thus refreshed we visited the nearby parish church St. Nikolaus (1687 – 1698) with its beautiful Steeple and remarkable baroque interior.

We drove on to Kaufbeuren where another friend was celebrating her birthday. This took place at the ‘Oberbeurer Skihütte‘, an interesting restaurant overlooking Kaufbeuren with the range of the Allgäu Alps in the distance. The sunset was simply magnificent – and so were the dishes. There was lots of laughter and I was lucky to find quite a number of people speaking English. Due to this fact, my German does not improve!

Two days later after recovering from the birthday party we made the ‘classical’ trip down to Füssen and Schwangau. The village of Schwangau is the home of the famous Neuschwanstein ‘fairy-tale’ castle, built by the Bavarian King Ludwig II. (1864 – 1886) and well known by Japanese and Chinese. This must be one of the most photographed buildings in the world – said to be the model for the Disney film castle. The castle of Hohenschwangau is situated opposite that of Neuschwanstein.

We explored the area around Schwangau and Füssen including the pilgrimage church St. Coloman (1671 – 1685) and the Lechfall (Lech waterfall) before we went to Pinzwang/Tyrolia to taste typical local dishes. On our way back we passed another landmark, the twin ruined hilltop castles of Hohenfreyberg and Eisenberg.

So another short visit to the Allgäu was over – but I hope to go back again in not too distant future.

Please note:
There is no need of being fluent in German to find many pictures on this website www.blickpunkt-allgaeu.de …

Allgäu Impressionen Juni 2009, Teil 2

Frühlingsimpressionen April 2009 von Karin Hartig

Brandneue Fotos aus dem Allgäu von Karin Hartig.

Füssen

Die Daten von Füssen:
Bundesland: Bayern
Höhe: 808 m ü. NN
Fläche: 43,5 km²
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Ostallgäu
Postleitzahl: 87629
Vorwahl: 08362
Kfz-Kennzeichen: OAL (früher: FÜS)
Internetseite: www.stadt-fuessen.de

Während Kempten das kommerzielle Zentrum des Allgäus ist, war Füssen schon immer das geistliche Gegenstück. Alles begann mit den Römern, die in Füssen eine Straßenstation anlegten. Bei der Straße handelte es sich um die berühmte Via Claudia Augusta, die “Autobahn” des römischen Kaisers Augustus, die nach Augusta Vindelicorum, dem heutigen Augsburg führte. Bis zur eigentlichen Gründung Füssens dauerte es allerdings noch etwas, das heißt, bis der Heilige Magnus auf der geschichlichen Bühne auftauchte. Der “Apostel des Allgäus” war Benediktinermönch, kam aus dem schweizer Kloster St. Gallen, und ließ sich im 8. Jahrhundert an jeder Stelle nieder an der heute Füssen steht. Ein nachdenklich stimmendes Zeugnis aus der Zeit kurz vor den 30jährigen Krieg, ist der berühmte Totentanz des Jakob Hiebeler in der St. Anna Kapelle. Der Künstler mag vielleicht geahnt haben, was auf seine Heimat an schrecklichen Dingen zukam. Er gab den zwanzig Bildtafeln denTitel “Sag ja, sag nein, getanzt muess sein.” Hier wird das Recht des Todes hervorgehoben, der sich früher oder später alle Sterblichen holt.