Oneida Joe und die tödlichen Schatten Teil 4

Die Story von dem Indianer im Allgäu (historisches Manuskript, 1. Viertel 19. Jahrhundert), IV. Teil

Peter M. RoeseWie bereits erwähnt wendet sich Peter M. Roese nach seinen erfolgreichen Thrillern “Nigeria Connection” und “AFN Tehran” (www.rhombos.de Nigeria Connection / AFN Tehran), die einiges über Kaufbeuren, Oberbeuren, Neugablonz und das Allgäu enthalten, einem historischen Roman zu. Er ist natürlich weiterhin gespannt auf die Resonanz der Leser, die sich den folgenden Beitrag (und die Fortsetzungen) ansehen.

Oneida Joe möchte unbedingt herausfinden ob die aus Kaufbeuren stammende Schriftstellerin Sophie von La Roche tatsächlich in den USA am See Oneida war. Sie hat ja schließlich den Roman “Erscheinungen am See Oneida” (1798) geschrieben. Also reiten er und Max nach einem deftigen Frühstück im “Schwanen” das kurze Stück von Frankenried nach Kaufbeuren.

Sie biegen in die Schlosserhalde ein und stoßen auf die Pfarrgasse, die im Schatten der Stadtpfarrkirche St. Martin liegt. Das gesuchte Haus ist schnell gefunden, und der Maler Gaibler scheint sich über die Abwechslung die der Besuch mit sich bringt zu freuen. Bei einem Gläschen Wein entwickelt sich eine rege Unterhaltung. Das Glück ist den beiden Besuchern hold, denn ihr Gastgeber weiß tatsächlich einiges über die Schriftstellerin.
“Ja, die Sophie ist 1730 hier in der Stadt geboren”, berichtet der Künstler, nachdem man zuerst über alles Mögliche diskutiert hat. “Ihr Vater war der bekannte Stadtphysikus Georg Friedrich Gutermann. Die Schriftstellerin verstarb bereits 1807 in der Nähe von Offenbach. Also in Amerika war sie nicht, soviel ich weiß. Ich werde mich aber erkundigen. Wenn Ihr morgen wieder vorbeikommt, weiß ich sicher mehr.” Er hält einen Moment inne und sagt verschmitzt lächelnd: “Wer hätte das gedacht, jetzt haben wir schon zwei berühmte Frauen aus Kaufbeuren: Die hochverehrte Klosterfrau Crescentia Höß und die Sophie.”
Anschließend durchstreifen die beiden jungen Männer die Stadt zu Fuß und wandern hinauf zum Fünfknopfturm an der Stadtmauer. Mit der schönen Aussicht wird es leider nichts, denn es hat sich erneut zugezogen. Unverrichteter Dinge steigen sie wieder hinab, holen ihre Pferde und reiten zurück nach Frankenried. Beim “Schwanen” angekommen staunen sie nicht schlecht, denn die Wirtsstube ist berstend voll. Schwaden von Tabakqualm sammeln sich unter der niedrigen Decke.
“Da staunt’s, hä”, empfängt der Wirt seine Gäste, “aber es hotsich rumgschprocha, daß a Indianr hier isch. Den wollen d’Leut sehn.” Er fügt in andächtigem Ton hinzu: “Des is scho ebbs bsünders.”

So, das wäre es im Moment … Fotos von Kaufbeuren siehe Rainy Roese …

(Fortsetzung folgt …)

Der Fünfknopfturm in Kaufbeuren

Das hervorstechende Wahrzeichen Kaufbeurens ist zweifelsohne der 1420 aus Ziegelsteinen errichtete Fünfknopfturm, der über der Stadt auf einem Höhenrücken steht. Seinen Namen erhielt er von den Knöpfen welche die Spitzen der fünf Türme krönen. Dort kann man auch noch ein ganzes Stück der imposanten Stadtmauer sehen, die sich bis zur alten St. Blasius Kapelle (mit dem berühmten Altar von Jörg Lederer, 1518) hinzieht. Auf der Ostseite des Turmes befindet sich ein riesiges, bemaltes Holzschild, das einen Adler zeigt, der auf den Wappen der Türkei, Bulgariens und Österreich-Ungarns thront, die zusammen mit dem Deutschen Reich im 1. Welkrieg die Mittelmächte bildeten. In dieses Holzschild begann man am 6 Mai 1917 die ersten Nägel einzuschlagen. Jedermann konnte diese kaufen, der Erlös ging an die Kriegshilfe und die Kriegsführsorge. Schließlich kam man, wie der Chronist Eugen Guggemoos berichtet, auf 5 387 Nägel, inklusive der 165 großen Nägel. Letztere symbolisieren die bis 1917 im Krieg gefallenen Soldaten aus Kaufbeuren. Rechnet man damals mit etwa 9 000 Einwohnern, rund die Hälte davon männlichen Geschlechts, waren davon etwa 3,6% an Gefallenen zu beklagen! Solche “Nageleinrichungen” gab es übrigens in vielen deutschen Städten, wobei es sich oft um Holzsäulen handelte.

Noch kurz zur Türkei … wer weiß heute übrigens noch, daß die türkische Flotte im 1. Weltkrieg von einem deutschen Admiral, von Bord des SchlachtschiffesYawus Selim” (Ex-Panzerkreuzer “Goeben”) aus, befehligt wurde? Wer kennt die Namen der deutschen Offiziere die türkische Einheiten führten (übrigens auch im heutigen Irak!)? Ja, es gab einmal eine deutsch-türkische Waffenbrüderschaft. Das ist Geschichte zum anfassen!

Author: Peter M. Roese

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