Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 6

Peter M. Roese Peter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 6

Endlich geht es weiter mit dem Bärensee …

Vor allem an den Wochenenden, im Frühjahr und Sommer, wenn die Sonne vom Himmel lacht, sind die lauschigen Plätzchen heiß begehrt. Der Besuch des ‘Liebesgrundes’ bereitet aber langfristig gesehen nicht unbedingt ausschließlich Freuden, sieht man einmal von ungewollten Schwangerschaften ab, wie zum Beispiel der Gefreite Schäfer nach einem Schäferstündchen zu seinem Leidwesen schmerzlich erfahren mußte. Der hatte sich vergangenes Jahr im Hochsommer mit seiner Flamme aus dem Schwesternheim in die Büsche verdrückt, und beide waren nach allerlei akrobatischen Liebesübungen erschöpft eingeschlafen. Er lag auf dem Bauch, die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel herab. Drei Stunden nach dem Schäferstündchen wachte Schäfer wieder auf und hatte einen mordsmäßigen Sonnenbrand auf seinem Rücken und vor allem auf seinem normalerweise lichtscheuen Allerwertesten. Die höllischen Schmerzen trieben ihn am Montag darauf sogar ins Krankenrevier.
“Rot wie ein Pavianhintern schaut das aus”, stellte der Oberstabsarzt, der ihn behandelte, fest. “Es scheint also doch zu stimmen, daß der Mensch vom Affen abstammt”, fügte er feixend hinzu.
Dann machte er doch glatt den Vorschlag, den angekokelten Schäfer als Demonstrationsobjekt für den ABC-Unterricht bei den Einheiten am Fliegerhorst herum zureichen, damit jeder drastisch sehen konnte, wie Leute nach einem Atombombenangriff aussehen – zumindest von hinten. Der Geschädigte wehrte sich jedoch vehement gegen diese Ehre. Selbst ein, zwei Tage Sonderurlaub konnten ihn nicht umstimmen.
Das Übelste für den Gefreiten Schäfer war, daß er mehrere Tage nicht auf seinem Allerwertesten sitzen konnte. Seine Flamme ließ sich angeblich ihren versengten Busen vom Hausarzt behandeln. Die Frage stellt sich, was war wohl unangenehmer? Oder besser noch, was wäre wohl gewesen, wenn der Schäfer auf dem Rücken gelegen hätte? Da wäre es sicher für einige Zeit mit den Liebesfreuden ganz vorbei gewesen.
Immer noch schmunzelnd schnappt sich Rossner seinen olivgrünen Kulturbeutel und das ebenfalls olivgrüne Handtuch und schlendert zum Waschraum. Dort herrscht gähnende Leere: Die anderen werden wohl wieder in ihre Betten gekrochen sein. Während er seinen Stoppelbart abkratzt, kommt er nochmals auf die Badegelegenheiten zurück. Es existieren eine Reihe weiterer populärer Badeseen in der Umgebung, wie zum Beispiel der Ettwieser Weiher und der Kuhstallweiher. Rossner schüttelt den Kopf … Was für ein Name! Während am Ettwieser Weiher einige Umkleidekabinen und weitere Einrichtungen vorhanden sind, hat der Kuhstallweiher außer zwei Holzstegen, von denen aus man ins Wasser springen kann, keinerlei weiteren Komfort zu bieten, von der lieblichen Landschaft abgesehen. Bemerkenswert ist der Kuhstallweiher deshalb, weil er in einem Moorgebiet liegt. Da kann man herrliche Schlammschlachten veranstalten oder Moorpackungen nehmen. Für die Jungs war es ein lustiger Zeitvertreib, die Mädels mit schwarzem Schlamm zu bewerfen. Da ging schon mal die eine oder andere toll gestylte Frisur flöten. Es folgten Gezeter und böse Worte, und als Ergebnis ging manche Liebschaft zu Bruch. Das Wasser war im Grunde genommen nichts weiter als eine dunkelbraune bis schwarze Brühe …

So, das war’s für heute. Die Fortsetzung beginnt mit Reflektionen auf das Allgäu …

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzung folgt …)

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 7

Marktoberdorf

Die Daten von Marktoberdorf:
Bundesland: Bayern
Höhe: 727–790m ü. NN
Fläche: 95,25km²
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Ostallgäu
Postleitzahl: 87616
Vorwahl: 08342
Kfz-Kennzeichen: OAL
Internetseite: www.marktoberdorf.de

Man sieht es Marktoberdorf auf den ersten Blick nicht an, daß das Städtchen ein bedeutender Industriestandort für landwirtschaftliche Maschinen ist. Außerdem befindet sich in der Stadt seit 1963 auch noch der Verwaltungssitz des Landkreises Ostallgäu. Gleich südlich von Marktoberdorf hat man, so das Wetter mitspielt, einen sagenhaften Blick auf das beeindruckende Panorama der Alpen. Von dort aus ist es auch nur ein Katzensprung zu den beliebten Badeplätzen am Kuhstallweiher und Ettwieser Weiher. Seit dem Mittelalter hatten die Fürstbischöfe von Augsburg in Markt Oberdorf das sagen (1453 Marktrecht). An alten Gebäuden ist vor allem die herrliche, ehemals gotische Barockkirche Hl. Kreuz und St. Martin hervozuheben. Der Pfarrkirche wurde 1732-1738 von dem berühmten Baumeister Johann Georg Fischer ihre heutige Form verliehen. Das direkt neben der Pfarrkirche stehende ehemalige Jagdschloß der Augsburger Bischöfe wurde ebenfalls nach Plänen Fischers errichtet. Seit 1985 befindet sich dort die II. Bayerische Musikakademie. Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Alte Rathaus wurde 1723 umgebaut. Sehenswert sind auch das Stadtmuseum und das Riesengebirgsmuseum.