Impressionen aus dem Jahr 1969 von Peter M. Roese

Peter M. RoesePeter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”
Impressionen aus dem Jahr 1969 … ein Besuch im Restaurant Jagdhof in Schlingen …

In einer Anwandlung von Großmut lädt Rossner seine Verlobte und die zukünftige Schwiegermutter zum Abendessen ein. Er hält auch noch eine Überraschung bereit …

“Ich möchte euch bitten der Gerdi und Ihrer Mutter nichts von dem Porsche zu sagen”, bittet Rossner seine Freunde und Kollegen Hans und Norbert. “Das soll eine Überraschung werden. Ich habe die beiden Damen für den kommenden Samstag in das Restaurant Jagdhof in Schlingen eingeladen. Da möchte ich sie natürlich mit dem Porsche hinfahren.”
Restaurant Jagdhof in Schlingen“So, so, den großen Maxe spielen und Eindruck schinden, bei der zukünftigen Schwiegermutter”, meint Hans, mit einem schäbigen Grinsen im Gesicht.
“Laß ihm doch seinen Spaß”, wirft Norbert ein. “Der Jagdhof ist doch das tolle Restaurant an der B 16, das im Januar eröffnet wurde.”
An besagtem Tag zieht Rossner dann die große Show ab: Er fährt mit dem blitzblank gewienerten roten Porsche 356 nach Bad Wörishofen, und holt die Schwiegermutter in spe und seine Verlobte ab. Die Überraschung ist vollkommen!
“Einen Porsche haben wir!” ruft Gerdi verzückt aus, während sie Rossner um den Hals fällt.
Ihre Mutter steht staunend vor dem prächtigen Gefährt.
Der hell erleuchtete Jagdhof scheint ein Magnet erster Klasse zu sein, das erkennt man schon an den zahlreichen Fahrzeugen die davor parken.
“Der Porsche paßt doch glatt zu diesem Ambiente”, stellt Rossner stolz fest, als er und seine Begleiterinnen das geschmackvoll eingerichtete Restaurant betreten. Die Speisekarte ist beeindruckend.
“Also, ich schlage Froschschenkel vor”, erklärt Rossner hinterhältig grinsend, wohl wissend, wie die Reaktion sein wird.
Die ist auch entsprechend: Gerdi verzieht das Gesicht, ihre Mutter wird bleich. Aber schließlich entscheidet sich Gerdi für Rehragout und ihre Mutter für Wildschweinbraten. Rossner widmet sich der Spezialplatte Jagdhof. Die ist sehenswert: Filets von Rind, Kalb und Schwein, Gemüse, Pilze, hausgemachte Spätzle mit Cognac-Pfeffer-Rahmsoße.
“Das war doch ein göttliches Mahl”, stößt Rossner theatralisch hervor, als er fertig ist. Damit spricht er auch seinen Begleiterinnen aus dem Herzen.

Ja, so war das seinerzeit im Restaurant Jagdhof in Schlingen. Auch heute verwöhnt die Familie Steinhauser den Gast mit exquisiten Gerichten aus der Region, inklusive Wild und Fisch. Auch vegetarische Kost wird geboten. Hinzu kommen deftige Brotzeiten. Ach ja, der hausgemachte Kuchen sollte nicht unerwänht bleiben.

Restaurant Jagdhof
Allgäuer Str. 1
86825 Bad Wörishofen / Schlingen

http://www.jagdhof-schlingen.de

Bad Wörishofen

Die Daten von Bad Wörishofen:
Bundesland: Bayern
Höhe: 603–670 m ü. NN
Fläche: 57,8 km²
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Unterallgäu
Postleitzahl: 86825
Vorwahl: 08247
Kfz-Kennzeichen: MN
Internetseite: www.bad-woerishofen.de

Nennt man Bad Wörishofen fällt einem sofort ein Name ein: Pfarrer Sebastian Kneipp. Dieser begann seine Kariere 1855 als Beichtvater bei den Dominikanerinnen in Wörishofen. Dort fing er auch mit seinen Wasserkuren an, die er fanatisch betrieb. So ist es nicht verwunderlich, daß sich sein Ruf als Heiler rasch verbreitete und selbst gekrönte Häupter ihre Zipperlein von dem bärbeißigen Dorfpfarrer behandelt haben wollten. Davon hat der Ort dann kräftig profitiert, und tut dies auch heute noch, als weltbekannte Badestadt. Daß man mit kaltem Wasser viel Geld verdienen kann wäre in der Sahara oder der Wüste Gobi verständlich, aber in Deutschland … Das war schon eine Meisterleistung, ähnlich wie mit dem Verkauf von Berliner Luft. Aber Spaß beiseite, das Geheimnis um das kalte Wasser ist rasch gelüftet: es regt, selbstverständlich äußerlich angewandt, den Kreislauf an. Im Kneippheilbad fängt fast alles mit Kneipp an: Kneippkurhotel, Kneipp-Sanatorium, Kneipp-Kurpension, Kneipp-Apotheke und so weiter. Warum einige Geschäftsleute aus der Reihe tanzen und ihre Etablissements einfach nur Hotel oder Kurpension sowieso nennnen bleibt unerfindlich. Ach ja, zur Krönung des Ganzen gibt es noch ein Sebastian-Kneipp-Museum.