Geschichte vom Kleinwalsertal

Schon in der Steinzeit lebten Menschen im Kleinwalsertal, wovon archäologische Funde zeugen. So wurden am Gottesacker unter anderem Schaber, Pfeilspitzen und Feuerstellen aus der Jungsteinzeit ans Licht kamen. Eine Dauerausstellung im Walserhaus in Hirschegg macht Teile der Steinzeitfunde für das interessierte Publikum zugänglich.
Neben den Funden vom Gottesacker stieß man auch am Widderstein und am Bärenkopf auf Abbaustellen von Radiolarit, einem Stein, der wegen seiner Beschaffenheit Verwendung als Schneidewerkzeug fand und somit sehr wertvoll gewesen sein muß, da es im Kleinwalsertal kaum Vorkommen vom Feuersteinen gibt.
Die nächsten Spuren menschlichen Lebens finden sich im Kleinwalsertal ab der Karolingerzeit, es kommt aber erst 1059 zur ersten Urkundlichen Erwähnung, als König Heinrich IV. dem Bischof von Augsburg ein Gebiet, angrenzend an das Tal, überträgt. erst zwischen 1270 und 1300 kommt es dann zu einer neuen Besiedelung durch die aus der Schweiz kommenden Walser, die zur Volksgruppe der Alemannen zählen. Durch ihre Herkunft unterscheiden sich die Bewohner sprachlich noch heute von denen der umliegenden Gemeinden. Ihr Dialekt wird den höchstalemannischen Dialekten zugeordnet, während man im Allgäu einen niederalemannischen Dialekt und im restlichen Vorarlberg einen hochalemannischen Dialekt (Vorarlbergerisch) spricht. Die Siedler kamen damals über den Hochalppass aus dem Wallis, das sie aus wirtschaftlichen und politischen Gründen verlassen mußten, und siedelten im Jagtgebiet der Herren von Rettenberg. Die schweizer Familien machten einen Teil des Landes urbar und mußten als Pacht lediglich einen Laib Käse pro Jahr und Familie an die Eigentümer abtreten. Der erste erwähnte Ort des Kleinwalsertals geht ebenfalls auf diese Siedler zurück, Mittelberg. Er war damals bestandteil der “Tannberger Kolonie”.
1451 nehmen die Walser die Grafen Werdenberg-Sargans und Hans von Rechberggefangen und setzen sie der Folter aus. Die beiden Adeligen waren wegen einer Streitigkeit, die heute nicht mehr nachvollzogen werden kann, in das Tal gekommen und mußten von Herzog Sigmund 1453 befreit werden. Für die Tal-Bewohner hatte dieser Vorfall schwerwiegende Konsequenzen, sie verloren all ihre Rechte und Pivilegien. Sie waren nun Untertanen derer von Habsburg und unterstanden der Gerichtsbarkeit in Bregenz. Die Walser fanden sich mit der gegebenen Situation zurecht, versuchten aber nach und nach, die abhandengekommenen Rechte wieder zu erlangen. Dies gelang ihnen auch, 1500 wurde ihnen wieder das Patronatsrecht verliehen, das letzte was bis dahin noch fehlte. Der Oberherrschaft der Habsburger war aber nicht mehr zu entkommen und nach verschiedenen kleineren Scharmützeln, wurde deren Machtanspruch 1531 nicht mehr angefochten. Das sollte sich bis 1806 auch nicht mehr ändern. 1563 wird Mittelberg zur Gerichtsstätte erhoben und ist so nicht mehr abhängig von der Gerichtsbarkeit in Bregenz.
Durch die Napoleonischen Kriege wird Vorarlberg 1806 dem Königreich Bayern zugeschlagen, das Mittelberger Gericht wird darauf einige Jahre später abgeschafft und das Tal dem Gericht in Bezau/Bregenzerwald unterstellt. Das Bayerische Gastspiel währt nicht lange, 1814 wird Vorarlberg wieder dem Habsburger Kaisertum Österreich angegliedert.

1891: Durch die Konsolidierung des Königreiches Bayern und der Habsburger Monarchie sowie der Errichtung von Zollschranken wird das Wirtschaftsleben der Walser sehr beeinträchtigt. Wegen fehlender Straßenverbindungen österreichischen Staatsgebiet wird Warenaustausch fast unmöglich. Die Hauptgeschäfte mit landwirtschaftlichen Produkten wie Vieh, Käse, und Butter waren bis zu diesem Zeitpunkt nach Bayern ausgeführt und auch dort verzollt worden. Ab 1878 verschärfte Bayern seine bisherigen Zollbeschränkungen und untersagte den Walser Landwirten den Viehverkauf im benachbarten Allgäu, obwohl dies seit Jahrhunderten üblich gewesen war. Die Landwirte waren nun gezwungen, ihr Vieh über Berge und Pässe zu den Vorarlberger Märkten zu treiben. Da das Zurücktreiben des Vieh sehr aufwändig und außerdem unwirtschaftlich war, verkauften die Landwirte ihre Tiere zu aktuell gebotenen Preisen, die auch ungünstig für sie sein konnten. Fast das gesamte 19. Jahrhundert kämpften die Walser Bürger für eine Sonderwirtschaftszone und 1891 erreichten sie dieses Ziel. Die Gemeinde Mittelberg erhielt den lange ersehnten Status eines Zollausschlussgebiets. Damit war der freie Warenverkehr mit Deutschland wieder für landwirtschaftliche Produkte und andere wichtige Handelsgüter möglich. Von da an ging es im Tal wirtschaftlich wieder aufwärts. Nach dem 1. Weltkrieg 1918 und der Auflösung des Vielvölkerreiches Österreich-Ungarn wurden die Bewohner des Kleinwalsertales zu Bürgern der neuen Republik Österreich (1918/19: Deutschösterreich) und wechselten die Staatsbürgerschaft 1939 mit dem Anschluß Österreichs an das Deutsch Reich erneut. Diese behielten sie aber nur bis 1945, denn nach dem Ende des 2. Weltkrieges kam das Tal wieder zu Österreich und dort ist es bis heute geblieben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte dann auch die Entwicklung des Tourismus ein und der Winetrsprot wurde für die Wirtschaft immer wichtiger, wie bereits oben erwähnt. 1940 wurde der Parsennschlepplift in Riezlern als erster Skilift des Tales in Betrieb genommen, viele weiter folgten. Die Erfolgsgeschichte des Kleinwalsertals als Wintersportoase hatte auch Auswirkungen auf die Bevölkerung, die sich nicht nur an der boomenden Wirtschaft erfreute, sondern auch sich auch selbst die Bretter unterschnallte und so bedeutende Sportler hervorbrachte wie Stefanie Schuster, ehemalige Profi-Skirennläuferin, Ludwig Leitner, ehemaliger Profi-Skirennläufer und Markus Eberle,ehemaliger Profi-Skirennläufer.

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