König Ludwig II. als Baumeister – eine nicht ganz ernst gemeinte Geschichte

Nähert man sich von Marktoberdorf her kommend dem Forggensee sieht man es schon von weitem: Das “Musical Theater Neuschwanstein”. Noch vor ein paar Jahen zierte die Baustelle ein riesiges Plakat, das König Ludwig II. mit Kunststoff-Schutzhelm auf dem Kopf darstellte, wahrlich eine gelungene Werbemasche! Hinter dem Portrait des Monarchen stand: JETZT BAUT ER WIEDER! Recht so! Das Musical “Ludwig II. Sehnsucht nach dem Paradies” läßt solche historischen Gestalten wie Sissi, Bismarck (wooos, a Saupreiß is a dabei!) und Wagner wieder auferstehen. Übrigens, wer die ganzen Attraktionen rund um Füssen und Schwangau abklappern will, muß schon einiges Geld mitbringen. Vielleicht kommt daher die Redewendung : “Mein lieber Schwan!”?

Noch ein paar Worte zum Mythos Ludwig II. Mehrere Tausend Publikationen sind bislang über den heute noch beliebten “Kini” erschienen. Sechs Spielfilme wurden über ihn gedreht. Die bekanntesten sind Helmut Käutners “Ludwig II.”von 1954, mit O.W. Fischer und Ruth Leuwerik, gefolgt von Luchino Viscontis gleichnamigem Epos aus dem Jahr 1972, mit Helmut Berger und Romy Schneider. Es ist höchst bedauerlich für die Regenbogenpresse, daß der Monarch nicht mehr lebt, denn die hätten ihre Auflagen lässig verdoppeln oder verdreifachen können. Je mehr man über den König, der gerade mal 40 Jahre alt wurde, schrieb oder Filme drehte und versuchte, dessen  rätselhafte Psyche zu ergründen, desto mehr vergrößerte man dessen Mythos.
Über die Bauwut des Königs ist viel gerätselt worden. Das ist aber. relativ einfach zu erklären, denn die Wurzeln dafür sind in seiner Kindheit zu finden. Der junge Ludwig soll nämlich schon im zarten Kindesalter mit Holzbauklötzen gespielt haben (LEGO gab’s damals noch nicht!). Da er bei dieser Tätigkeit rüde unterbrochen wurde, das heißt, er mußte den verwaisten Thron seiner Väter besteigen, konnte er sich diesem Hobby zunächst nicht mehr widmen. Wen wundert  es da, daß er später wie ein Besessener weiterbaute? Da hat er dann am Bau rangeklotzt und die anderen haben Bauklötze gestaunt!
Sehr früh, schon im Alter von 12 Jahren, soll Ludwig auch den Schönen Künsten, der Musik und den Bergen verfallen sein. Mit den Frauen hatte er allerdings Pech. Er verknallte sich unsterblich in seine Lieblingscousine Elisabeth, besser bekannt als Sissi. Die aber zog  es schnöderweise vor, an der Seite Franz Josephs I., Kaiserin der Österreichischen k.u.k.. Monarchie zu werden. Mit seiner Braut in spe, der Sophie, klappte es auch nicht so recht und so wandte er sich Richard Wagner und dessen monumentaler Musik zu, die zu seinen monumentalen Bauten paßte. Die Musik Wagners steht übrigens bei Engländern, Amerikanern und Japanern hoch im Kurs. Allerdings machten sich manche Angloamerikaner bei den Bayern nicht unbedingt beliebt, als sie von “mad Ludwig – dem verrückten Ludwig” sprachen. Das ist eindeutig Majestätsbeleidigung! Schließlich versank der König in seiner irrealen Traumwelt. Damit hatte er genau das erreicht, was spätere Hippies auch wollten, jedoch meist nie erreichten.
Peter M. RoesePeter M. Roese ist erfolgreicher Buchautor von “Nigeria Connection” und “AFN Tehran”, die beide vom Rombus Verlag veröffentlicht wurden  (www.rhombos.de Nigeria Connection / AFN Tehran), die ebenfalls einiges über das Allgäu enthalten.

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