Impressionen aus dem Jahr 1968 von Peter M. Roese

Peter M. RoesePeter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

München 1968 … der Gasthof Weinbauer in Schwabing …

Der Protagonist Rossner absolviert im turbulenten Jahr 1968 einen Lehrgang in München. Er ist in Schwabing untergekommen, bei Karl, einem Studenten. Neben vielerlei Aktivitäten oder Happenings, die man auf Neudeutsch sit-in, go-in, teach-in, sleep-in und so weiter nennt, durchkämmen Rossner und Karl die Landeshauptstadt nach einschlägigen Lokalitäten. Hier ein entsprechender Auszug aus dem Manuskript “Allgäu Sixties” …

Gasthof Weinbauer bei München Ganz oben auf der Liste steht der Gasthof Weinbauer, ein gastronomisches Urgestein, in dem Eckhaus in der Fendtstraße, wo die Revoluzzer friedlich Seite an Seite mit Einheimischen in aller Ruhe ihr Bierchen schlürfen. Dunkle, holzgetäfelte Wände, Deckenbalken, eine typisch bayerische Wirtshauseinrichtung sorgen dafür, daß sich der Gast, wie die Münchner sagen, ’sauwohl’ fühlt. Und dann erst das Essen! Eine Spezialität des Hauses ist die Münchner Schlachtschüssel …

Kurz vor Beendigung seines technischen Lehrgangs lädt Rossner Karl zu einer Münchner Schlachtschüssel in den Gasthof Weinbauer ein.
“Ich möchte mich wenigstens ein bisschen revanchieren für deine Gastfreundschaft, und die interessanten Exkursionen durch die Kneipen und politische Happenings”, sagt Rossner zu Karl.
“Das wäre doch nicht notwendig gewesen”, entgegnet dieser.
“Papperiapapp, du bist heute mein Gast”, erklärt Rossner kategorisch. “Übrigens, die Jungs gestern Abend waren ja zum Schluss ganz schön voll.”
“Ja, die haben gesoffen, bis ihre Haarwurzeln im blanken Alkohol lagen”, bestätigt Karl lachend.
In dem Moment kommt eine fesche, blonde Bedienung im Dirndl und stellt ein dampfendes, gußeisernes Bratreindl auf den Tisch. Rossner mustert interessiert den Inhalt. Auf der Unterlage aus hellem Sauerkraut und einer halbierten, mit Nelken gespickten Zwiebel, ruht in fingerdicke Scheiben geschnittenes Schweinernes, Wammerl und Schweinszüngerl. Hellbraune Leberwürste und schwarzbraune, pralle Blutwürste vervollständigen das Gericht. Garniert ist dieser Augenschmaus mit schwarzen Wacholderbeeren und braungrünen Lorbeerblättern.
“Phantastisch!” entfährt es Karl, während sein Blick wohlwollend auf den kulinarischen Köstlichkeiten ruht.
“Nichts wie ran, bevor es kalt wird”, schlägt Rossner vor, Messer und Gabel ergreifend.

Soweit der Manuskriptauszug … Heute wie damals gibt es deftige bayerische Küche und so einige Schmankerln, von den Schwaben und Österreichern abgeguckt. Seit 1.Mai 2010 hat Franz Schmuck den berühmten Gasthof Weinbauer übernommen.

Gasthof Weinbauer
Fendtstraße 5
80802 München

www.weinbauer-muenchen.de

Impressionen aus dem Jahr 1969 von Peter M. Roese

Peter M. RoesePeter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”
Impressionen aus dem Jahr 1969 … ein Besuch im Restaurant Jagdhof in Schlingen …

In einer Anwandlung von Großmut lädt Rossner seine Verlobte und die zukünftige Schwiegermutter zum Abendessen ein. Er hält auch noch eine Überraschung bereit …

“Ich möchte euch bitten der Gerdi und Ihrer Mutter nichts von dem Porsche zu sagen”, bittet Rossner seine Freunde und Kollegen Hans und Norbert. “Das soll eine Überraschung werden. Ich habe die beiden Damen für den kommenden Samstag in das Restaurant Jagdhof in Schlingen eingeladen. Da möchte ich sie natürlich mit dem Porsche hinfahren.”
Restaurant Jagdhof in Schlingen“So, so, den großen Maxe spielen und Eindruck schinden, bei der zukünftigen Schwiegermutter”, meint Hans, mit einem schäbigen Grinsen im Gesicht.
“Laß ihm doch seinen Spaß”, wirft Norbert ein. “Der Jagdhof ist doch das tolle Restaurant an der B 16, das im Januar eröffnet wurde.”
An besagtem Tag zieht Rossner dann die große Show ab: Er fährt mit dem blitzblank gewienerten roten Porsche 356 nach Bad Wörishofen, und holt die Schwiegermutter in spe und seine Verlobte ab. Die Überraschung ist vollkommen!
“Einen Porsche haben wir!” ruft Gerdi verzückt aus, während sie Rossner um den Hals fällt.
Ihre Mutter steht staunend vor dem prächtigen Gefährt.
Der hell erleuchtete Jagdhof scheint ein Magnet erster Klasse zu sein, das erkennt man schon an den zahlreichen Fahrzeugen die davor parken.
“Der Porsche paßt doch glatt zu diesem Ambiente”, stellt Rossner stolz fest, als er und seine Begleiterinnen das geschmackvoll eingerichtete Restaurant betreten. Die Speisekarte ist beeindruckend.
“Also, ich schlage Froschschenkel vor”, erklärt Rossner hinterhältig grinsend, wohl wissend, wie die Reaktion sein wird.
Die ist auch entsprechend: Gerdi verzieht das Gesicht, ihre Mutter wird bleich. Aber schließlich entscheidet sich Gerdi für Rehragout und ihre Mutter für Wildschweinbraten. Rossner widmet sich der Spezialplatte Jagdhof. Die ist sehenswert: Filets von Rind, Kalb und Schwein, Gemüse, Pilze, hausgemachte Spätzle mit Cognac-Pfeffer-Rahmsoße.
“Das war doch ein göttliches Mahl”, stößt Rossner theatralisch hervor, als er fertig ist. Damit spricht er auch seinen Begleiterinnen aus dem Herzen.

Ja, so war das seinerzeit im Restaurant Jagdhof in Schlingen. Auch heute verwöhnt die Familie Steinhauser den Gast mit exquisiten Gerichten aus der Region, inklusive Wild und Fisch. Auch vegetarische Kost wird geboten. Hinzu kommen deftige Brotzeiten. Ach ja, der hausgemachte Kuchen sollte nicht unerwänht bleiben.

Restaurant Jagdhof
Allgäuer Str. 1
86825 Bad Wörishofen / Schlingen

http://www.jagdhof-schlingen.de

Impressionen aus dem Jahr 1967 von Peter M. Roese

Peter M. Roese Peter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Impressionen aus dem Jahr 1967 … Fahrstunden bei der Bundeswehr … Gasthof Weißes Röss’l in Leinau …

Hier eine Szene aus dem Jahr 1967, als der Protagonist Rossner zusammen mit einigen Kameraden vom Fliegerhorst Kaufbeuren Fahrstunden absolviert …

Gasthaus Weißes Röss'l Leinau

Weißes Röss'l

Sie kommen am Freitagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein auf der B 16 von einer Fahrschulfahrt aus Memmingen, Mindelheim und Bad Wörishofen zurück.
“Männer”, sagt der Fahrlehrer Feldwebel Meisner als sie durch Pforzen fahren, “wir machen diesmal unsere Pause im Weißen Röss’l in Leinau. Uffz Schaller fährt uns anschließend hoch zum Fliegerhorst. Er muß diesmal in den sauren Apfel beißen und darf keinen Alkohol trinken. In den Gasthof kommen übrigens immer mal Leute aus München, die in der Wertach angeln. Die stolzen Petrijünger lassen dann ihre Beute von der Wirtin des Weißen Röss’l braten. Auch Gablonzer kommen gerne her.”
Sie erreichen die Kreuzung die rechts nach Irsee und links nach Leinau und Neugablonz führt. Rossner, der gerade am Steeuer sitzt, biegt nach Leinau ab und fährt über die Wertachbrücke. Nach wenigen Minuten sind sie am Ziel angelangt. Rossner läßt den Munga ausrollen. Die Soldaten steigen aus und lassen sich in dem kleinen Biergarten an einem der Holztische nieder.
Am Nachbartisch sitzen vier gestandene Mannsbilder, der fünfte ist ein Krischperl, wie man im Allgäu und anderen Gegenden Süddeutschlands so schön sagt, eben ein Mann von kleiner, schmächtiger Statur. Es scheinen Einheimische zu sein, Leinauer Bauern, die in ein Kartenspiel vertieft sind. Das Krischperl stänkert die ganze Zeit herum. Rossner vernimmt schmunzelnd was sich da am Nachbartisch tut.
“Du wenn jetzt it bald schtill bisch, verhau i di”, warnt einer der Mitspieler den Störenfried.
“Dann flack i na, und na kasch zala”, antwortet der Schmächtige vorwitzig.
Da steht der Mitspieler der ihn gewarnt hatte auf, hebt das Krischperl hoch in die Luft, schüttelt ihn kräftig, und setzt ihn wieder auf seinen Stuhl. Anschließend fordert er ihn auf: “So und jetzt kasch saga was des koschd!”
“Schüttla koschd nix”, versichert das Krischperl kleinlaut.
Danach kehrt Ruhe ein, und das Kartenspiel kann fortgesetzt werden. Die Soldaten machen sich über die bestellten Brotzeiten her.

Soweit ein Ausschnitt aus dem Manuskript. Die Inhaberin des Gasthofes Weißes Röss’l, Angelika Seidl, führt die Tradition des Hauses fort, mit guter, alter Hausmannskost wie verschiedene Braten, Schnitzel, Rouladen und Brotzeiten.

Gasthof Weißes Röss’l
Dorfstraße 25
87666 Leinau

www.weisses-roessl-leinau.de

Impressionen aus dem Jahr 1966 von Peter M. Roese

Peter M. Roese Peter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”
Impressionen aus dem Jahr 1966 … Ausflug zum Lech … Restaurant Café Lechblick …

Der Protagonist Rossner und sein Kamerad Pflüger, beide am Fliegerhorst Kaufbeuren stationiert, lernen zwei flotte Bienen kennen, mit denen sie von Kaufbeuren aus einen Ausflug an den Lech unternehmen …

Es ist Samstagnachmittag, als Pflüger und Rossner bei strahlendem Sonnenschein im Käfer in die Stadt hinabrollen. Marlene und Konstanze warten schon vor der Ranch auf sie. Entzückend sehen sie aus, in ihren dünnen Sommerkleidchen, die sich in der linden Luft an die wunderbaren Konturen der jungen Körper schmiegen. Zur Begrüßung bekommen die beiden jungen Männer züchtig Küßchen auf die Wangen. Sie gondeln hinten herum über die Dörfer Mauerstetten, Blonhofen, Gerbishofen, und wie sie alle heißen. Auf den hügeligen Weiden tummeln sich Kühe und hier und da ein Pferd. Durch die geöffneten Fenster streicht eine angenehme Luft. Sie erreichen Asch und fahren die B 17 hinunter, bis sie auf das Restaurant Café Lechblick stoßen.
Cafe LechblickPflüger läßt den Käfer auf dem Parkplatz ausrollen. Sie betreten die gutbesuchte Terrasse. Bevor sie sich niederlassen, bleiben sie erst einmal überrascht stehen. Den Betrachtern bietet sich ein sagenhafter Blick auf den von Wäldern gesäumten Lech, der hier nach der Staustufe 11 eine Breite Schleife bildet.
“Da kann man sich gar nicht satt sehen”, entfährt er Rossner nach einer Weile.
Sie bestellen jeder einen Eisbecher und löffeln ihn schweigend aus, während sie hinunter auf den Fluß blicken. Rossner ist jedoch auf einmal von anderen Naturschönheiten hingerissen: den im tiefen Ausschnitt von Marlenes Kleid gebetteten, großkalibrigen Kugeln, die er verstohlen mustert. Ob ich die jemals in ihrem ganzen Umfang zu sehen bekomme? fragt er sich.
“Du machst so ein verklärtes Gesicht”, holt ihn Pflügers Stimme in die Wirklichkeit zurück. “Was ist?”
“Ach, nichts, ich genieße nur die Naturschönheiten.”
Auf der Rückfahrt geht es wieder durch duftende Wiesen über Ostendorf. Es ist Spätnachmittag geworden, die Schatten werden länger, das Sonnenlicht weicher. Während der Fahrt tuscheln die Mädels auf den Rücksitzen angeregt miteinander.
“Halt!” ruft Konstanze plötzlich unvermittelt, als sie gerade Dösingen passieren. “Wir könnten dort drüben in dem Wäldchen doch einen romantischen Spaziergang in der Abenddämmerung machen.”
“Tolle Idee”, pflichtet ihr die Freundin bei. “Habt ihr Jungs eine Decke im Auto, falls wir uns hinsetzen wollen?”

Halt! Mehr wird nicht verraten …. Das Eis schmeckt heute noch so gut wie damals, im Restaurant Café Lechblick, bei der Familie Mauch. Hinzu kommen hausgemachte Torten und Kuchen. Auf jene die es deftig mögen warten ausgezeichnete Schwäbisch-Bayerische Spezialitäten.

Restaurant Café Lechblick
Lechblick 1
86920 Denklingen

www.restaurant-cafe-lechblick.de

Kinderstadtführers – Kaufbeurer Stadtgeschichten

Umschlag WiedemannHilfe! Herr Wiedemann! Ich bin versteinert worden …

Dieser Hilferuf stammt von „Frau Maierhof“, die in den „Kaufbeurer Stadtgeschichten“ gerade über den alten Friedhof um die St. Martinskirche spaziert.

Ja, Frau Maierhof! Nicht dem Schloarger in die Augen blicken. Warten Sie, ich komme kurz rüber!

„Herr Wiedemann“ eilt zu Hilfe! Die beiden Hauptpersonen des neuen Kinderstadtführers laden ein, die Geschichte der Stadt kennen zu lernen. Fotos aus ungewöhnlichen Perspektiven, zusätzlich reich illustriert, präsentieren auf 68 Seiten den jungen Kaufbeurern wie auch den Erwachsenen eine spannende Stadtgeschichte zum Anfassen. Ein eingehefteter Stadtplan sorgt dafür, dass man die jeweiligen Routen von „Herrn Wiedemann“ und „Frau Maierhof“ problemlos nachvollziehen kann.

Thomas Garmatsch, kreativer Kopf und Leiter der Kaufbeurer Kulturwerkstatt, initiierte, illustrierte und textete. Gemeinsam mit Ralf Einfeldt (Layout) und dem Fotografen Christoph Jorda erschuf er ein kindgerechtes Kaleidoskop zur Geschichte seiner Stadt, das nun im Bauer-Verlag Thalhofen erschienen ist.

Als illustrierte Stadtführer beschreiten „Herr Wiedemann“ und „Frau Maierhof“ ihren Weg durch Kaufbeuren. Bekannt wurden „Elsa Maierhof“ und „Johann A. Wiedemann“ als Geschäftsführer des Kaufbeurer Geschichtenladens der Kulturwerkstatt, wo sie sich unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Stefan Bosse Kaufbeurer Stadtgeschichten erzählen.

Lesen kann man das Buch von zwei Seiten: Falls Sie, lieber Entdecker, sich nun dazu entschließen, zunächst Frau Maierhof mit ihren Märchen und Sagen auf ihrem Stadtrundgang zu begleiten, kann ich Ihnen nur eines raten: Hüten Sie sich vor Elsas manchmal nur allzu blühenden Fantasie! Gruselige Geister- und Spukgestalten, wollsockenstrickende Wächter der Stadttore, ein nach Pfannkuchen duftender Fünfknopfturm – die sagenhafte Seite Kaufbeurens ist sicher eine Reise wert. Andererseits – und das im wahrsten Sinne des Wortes! – wenn Sie unsere STADTGESCHICHTEN umgedreht lesen, sind sie mit dem historisch sehr bewanderten und scheinbar allwissenden Johann A. Wiedemann auf der sicheren Seite, denn: Richtig ist wichtig! Und wichtig ist richtig!

Umschlag MaierhofDa habe ich aber Glück gehabt, dass Sie gerade vorbeigekommen sind … Aber! Herr Wiedemann! – Kein Wort mehr über den Schloarger! Der gehört auf meine Seiten – aber trotzdem: Herzlichen Dank für Ihre Hilfe! Ich dachte, Sie kennen sich nur bei geschichtlichen Dingen aus… Sie sind ja richtig mutig!
Dank der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Kaufbeuren erhält jede Schule und jeder Kindergarten in Kaufbeuren Freiexemplare. Für die Lehrkräfte bedeutet dies, den Kindern ihre Stadt fantasievoll, sagenhaft und doch historisch korrekt zeigen zu können.
Neugierig geworden? Erhältlich ist der Kinder-Stadtführer ab sofort für 7 Euro in der Kulturwerkstatt sowie in den Kaufbeurer Buchhandlungen und direkt beim Bauer-Verlag Thalhofen.

BAUER-VERLAG GmbH
Gennachstraße 1
87677 Thalhofen

Impressionen aus dem Jahr 1966 von Peter M. Roese

Peter M. Roese Peter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Impressionen aus dem Jahr 1966 … Pilze sammeln bei Apfeltrang … Landgasthof Hubertus

Der Protagonist Rossner, stationiert am Fliegerhorst Kaufbeuren, geht mit Kameraden einer lohnenden Freizeitbeschäftigung nach …

“Du kennst dich doch mit Pilzen und so Zeug aus”, sagt Hübner zu Rossner.
“Ja, warum?”
“Ich habe von einem Einheimischen einen Geheimtipp bekommen. Da hinten bei Apfeltrang geht es rechts ab nach Wenglingen. Im sogenannten Salvawald und im Wenglinger Wald soll es massenhaft Pilze geben. Das Wetter ist ideal, feucht und noch verhältnismäßig warm für die Jahreszeit. Ich weiß das noch von meinem Großvater.” Hübner verdreht verzückt die Augen und ein verklärtes Lächeln tritt auf sein Gesicht. “Was hat Opa immer köstliche Pilzmahlzeiten in der Pfanne gebrutzelt.”
“Der Pflüger macht da bestimmt mit”, vermutet Rossner, “denn ohne fahrbaren Untersatz ist das ganz schön weit zu den Schwammerljagdgründen.”
Selbstverständlich ist Pflüger dabei. Durch die Hauptwache geht es hinunter nach Apfeltrang. Am Gasthof Hubertus biegen sie rechts ab.
“Übrigens, im Hubertus haben sie jetzt auch eine Kegelbahn”, informiert Rossner die Mitfahrer. “Außerdem, wer Wildbret mag ist hier ebenfalls richtig, denn der Wirt geht selbst auf die Jagd.”
Nun tuckert der Käfer den Hügel hinauf, Richtung Wenglingen. Üppige grüne Viehweiden werden gefolgt von dichten Wäldern, links und rechts der Straße. Der nasse Asphalt glänzt in der Sonne.
“Guckt euch diesen Pomadenhengst auf der Babybrumme hinter uns an”, ruft Pflüger, während er in den Rückspiegel schaut. “Der Motorroller ist garantiert frisiert – und wie!”
“Hier muß es sein”, vermutet Rossner.
Pflüger hält den Wagen am Straßenrand an. Der Motorroller knattert an ihnen vorbei, eine nach verbranntem Öl und sonstiger Chemie duftende, bläuliche Qualmwolke hinterlassend. Praktischerweise hat Pflüger zwei Einkaufsnetze im Wagen liegen.
“Auf zur Schwammerlpirsch!” ruft Rossner ausgelassen. “Es hat allerdings keinen Wert wenn wir hier breitflächig ausschwärmen, denn ihr kennt euch mit Pilzen nicht aus und würdet unnötige Mengen unbrauchbarer Arten ausreißen.”
Die Knobelbecher und die Amistiefel sind im feuchten Wald genau das richtige Schuhwerk. In nicht einmal eineinhalb Stunden haben die eifrigen Pilzsammler beide Einkaufsnetze gefüllt. Steinpilze, Maronenröhrlinge, Sandröhrlinge und Butterpilze liegen einträchtig nebeneinander, zwischendrin spitzen sogar einige gelbe Pfifferlinge hervor.
“Leute, Leute, das gibt ein köstliches Mahl”, jubelt Rossner, während sie die Pilze gleich an Ort und Stelle putzen. “Da kommen Öl und Zwiebeln in die Pfanne, und dann die Pilze, gewürzt wird mit Pfeffer und Salz, da wird das Pilzaroma nicht verfälscht.”
“Nach diesem erfolgreichen Jagdzug haben wir uns ein kühles Bier verdient, oder?” fragt Hübner. “Der Biergarten vom Hubertus ist ja noch offen.”
Da stimmen seine beiden Begleiter zu. Sie lassen sich nieder und bestellen drei Gläser Bier. Rossner sieht sich um. Neben ihnen sitzt ein Ehepaar mittleren Alters mit zwei halbwüchsigen Gören, die kichernd und tuschelnd zu den jungen Männern blicken. Gerade bringt die Bedienung das Essen, einen gefüllten großen Teller und vier leere kleinere, samt Bestecken. Drei saftige Hirschrückenmedaillons mit hellbrauner Nußkruste gekrönt, gruppieren sich um grünen Rahmwirsing. Das Ensemble ist garniert mit längsgeschnittenen, glasierten Karotten. Aus der hellbraunen Soße spitzen vorwitzig rote Preiselbeeren. Auf dem Tellerrand steht in grünen Schriftzügen ‘Landgasthof Hubertus’.
“Wenn wir unseren nächsten Wehrsold bekommen”, sagt Pflüger mit unterdrückter Stimme, den verführerischen Bratenduft schnuppernd, “dann investiere ich einiges für so einen Hirschrücken.”
“Gute Idee”, stimmen ihm Hübner und Rossner ihm wie aus einem Mund zu.
Als sie zum Fliegerhorst zurückgekehrt sind bereitet Rossner die Pilze zu. Es wird wahrhaftig eine köstliche Schlemmerei …

Soweit der Ausschnitt aus dem Manuskript. Damals wie heute gehört Wildbret zu den Spezialitäten des Hauses, das nach wie vor von der Familie Petrich geführt wird. In der Küche herrscht Thomas Petrich.

Landgasthof Hubertus
Wenglinger Str. 2
87674 Apfeltrang

www.hubertus-apfeltrang.de

Der Türmer

Der Türmer

Der Türmer

Frankfurt am Beginn des 20. Jahrhunderts. Feuerwehrmann Heinrich Niemann ist der neue Türmer
im Kaiserdom. Eines morgens findet er bei einem Rundgang im Glockenraum die Leiche einer
Frau. Er läuft sofort zum Polizeipräsidium, um seinen Fund zu melden. Als der Türmer in
Begleitung der Polizisten zum Tatort zurückkehrt, ist die Frau jedoch verschwunden. Niemand
glaubt dem Türmer, denn: ohne Leiche – kein Mord. Doch der eigenwillige Feuerwehrmann gibt
nicht auf. Er weiß, was er gesehen hat und ermittelt auf eigene Faust. Schon bald findet er in
Kommissar Schuhmann von der hiesigen Polizei einen Freund und Helfer. Jedoch werden die
beiden Ermittler immer wieder bei ihrer Suche nach dem Mörder behindert. Irgendjemand, mit viel
Einfluss in der Stadt, will um jeden Preis vermeiden, dass der Mord an der unbekannten Frau
aufgeklärt wird …

Leseprobe und Bestellung (auch handsigniert!): leserun.de

Der Gewürzhändler zu Frankfurt

Der Gewürzhändler zu Frankfurt

Der Gewürzhändler zu Frankfurt

Frankfurt Mitte des 18. Jahrhunderts. Arthur ist ein einfacher fahrender Händler entlang
von Main und Rhein, bis ihm ein Unwetter Hab und Gut raubt. Er wird von einem
Flörsheimer Gutsherren gerettet und verliebt sich in dessen Tochter Elisabeth. Nach
einem Streit mit Arthur willigt Elisabeth in die von ihrem Vater arrangierte Hochzeit
mit einem fränkischen Adligen ein. Zu diesem Zeitpunkt ist sie jedoch bereits
schwanger. Als Elisabeths Ehemann von dem Kind erfährt, muss Arthur das Gut
fluchtartig verlassen. Sein Weg führt ihn zurück in seine Geburtsstadt Frankfurt, in der
er den Gewürzhandel erlernt und sich schnell in den Kreisen des gehobenen
Bürgertums etabliert. Als er Elisabeth und den gemeinsamen Sohn aus den Fängen des
Adligen befreit, scheint das Glück perfekt. Doch die Ereignisse nehmen eine Wendung,
die Arthur in sein größtes Abenteuer stürzen: Die Seereise nach Indien.
Erleben Sie die spannenden Abenteuer des Gewürzhändlers Arthur. Gehen Sie mit ihm
auf große Reise und erfahren Sie, welche Unwegsamkeiten ihm auf seiner langen
Odyssee zurück nach Hause widerfahren.

Leseprobe und Bestellung (auch handsigniert!): leserun.de

Die wilden 60er Jahre in Kaufbeuren Teil II von Peter M. Roese

Voll im Beat-Fieber … Impressionen aus der Ranchbar 1966 (II)

“Ja,ja”, bricht Rotgerber das Schweigen, “wenn man sich überlegt, die Mädels in Kaufbeuren haben es doch gut. Sie haben einen riesigen Vorteil: Eine große Auswahl an jungen Männern, die noch dazu, wie im Fall der Technischen Schule der Luftwaffe, immer wieder wechseln. Da hat die holde Weiblichkeit der Qual der Wahl. Da bekommt selbst das scheueste Mauerblümchen eine echte Chance!”
“Die armen Mütter und Väter pubertierender Teenager”, sagt Rossner spöttisch, “die stehen permanent vor dem Herzinfarkt. Zumindest in den Städten ist das so. Auf dem Land ist man – noch – konservativer, da bestimmen das Vereinsleben, die Kirchweih und Umtata-Musik die Freizeit. Aller höchstens Margot Eskens, Freddy Quinn, Peter Alexander, Martin Lauer, Catharina Valent und ähnliche Talente haben da eine Chance.”
“Du kennst ja die dörflichen Gepflogenheiten vom Pegnitztal her, wo deine Eltern wohnen. Ich kann da nicht mitreden, ich bin in der Großstadt aufgewachsen.”
Richtig!”
“Mal gespannt”, fährt Rotgerber fort, “ob die hier nachher wieder einen Film von Woody Woodpecker bringen. Das wäre doch eine Gaudi … dem sein Gelächter …”
“Hähä … hähähä”, intoniert Rossner. “Ja, ja, dieses penetrante Lachen ist legendär.”
Der Woody Woodpecker und die Ranchbar … Welcher Besucher kennt ihn nicht, den Helmspecht mit der Tolle, dem großen, gelben Schnabel, den roten Federn am Kopf, den blauen am Körper und dem weißen Bauch. In den Tanzpausen schwadronieren der Woody, Buzz Buzzard, Andy Panda, Wally Walrus, Gabby Gator und andere flimmernd über die Leinwand.
“Obwohl diese Cartoon-Figur bereits in den 40er Jahren von Walter Lantz kreiert wurde”, erklärt Rossner seinem Gegenüber, “passt der Specht wegen seines verrückten, chaotischen Auftretens und seiner Penetranz ganz gut in die neuen Zeiten.”
“Da hast du nicht unrecht”, sagt Rotgerber, seinen Gesprächspartner erstaunt anblickend, “darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht.”
Der Diskjokey räuspert sich, und schon geht es los.
“Leute macht euch auf zum Schwofen”, ertönt eine männliche Stimme hinter ihnen. Das ist garantiert ein Nordlicht!
Die Lautsprecher wummern, als ‘Twist and shout …’ von den Beatles ertönt. Dann folgt ‘Wolly Bully …’ von Sam The Sham and the Pharaoes. Die Stimmung ist heute schon am frühen Abend gut, und so füllt sich die Tanzfläche schnell mit zuckenden, stampfenden Gestalten, da grölt bei letzterem Song ein hingerissener Gast übermütig: “Volle Pulle!” Schlagartig blicken die Söhne des Besitzers der Ranch forschend mit angespannten Mienen in jene Richtung, aus der der Ruf erschallte. Die Frau Mama, die heute auch anwesend ist, wird ebenfalls aufmerksam. Die jungen Männer sind geübt darin mögliche Unruhestifter rasch auszumachen, und auf dezente Weise aus dem Verkehr zu ziehen. Ein Hausverbot wiegt schwer, denn ein vergleichbares Tanzlokal gibt es weit und breit nicht. Ein Hauch sonniges California kommt in die Ranch, als der Diskjockey ‘Iget around …’ von den Beach Boys auflegt.
Wie es der Zufall will treffen die von Rossner und seinem Bekannten erwarteten Grazien fast gleichzeitig ein. Da geht es erst einmal ohne Umschweife auf die Tanzfläche.
Dort hat sich die Situation schlagartig geändert, denn der Diskjokey hat eine langsamere Platte aufgelegt, so zum an schleichen. Da herrscht auf der Nahkampfdiele nicht ganz soviel Gedränge, denn das ist was für Paare die schon etwas miteinander haben oder Mädels die einen ’süßen Boy’ gleich fest an sich binden wollen. Da schmalzen Sonny & Cher ‘I got jou babe …’
Die manchmal kokette, nun zärtlichkeitsbedürftige Denise hat ihre Arme um Rossners Nacken geschlungen, ihr Kopf ruht auf seiner rechten Schulter. Was duftet ihr samtweiches Haar … leicht wie eine Feder ist sie … Ach, was ist er doch verknallt!
“Das war so eine richtige Schmuserunde”, haucht sie ihm seufzend ins Ohr, als Sonny & Cher ihren Song beenden: “Iiii gooot youuu babe ….”

ranchbar-113.jpg

Der Text stammt aus dem Manuskript “Allgäu Sixties”, von Peter M. Roese

Teil I

Wo sind die 60er-Fans, die einen Kommentar über ihre Erlebnisse rund um die Ranchbar schreiben wollen?

Die wilden 60er Jahre in Kaufbeuren von Peter M. Roese

Voll im Beat-Fieber … Impressionen aus der Ranchbar 1966 (I)

Nun ist es richtig ausgebrochen, das Beat-Fieber. Musik wird zur Waffe des Friedens! Ulkig, da gibt es doch dieses alte Sprichwort: ‘Wo man singt da lass dich ruhig nieder, denn böse Mensch kennen keine Lieder …’ Das stimmt natürlich auch nicht ganz, denn die bösen Kommunisten zum Beispiel haben ihre ‘Internationale’ – ‘Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht …’
Die Ranchbar in Kaufbeuren, kurz Ranch genannt … dieser Tempel der neuen, beglückenden Musik … Manche nennen das Tanzlokal, nahe der Spittelmühlkreuzung an der Gutenbergstraße, Beatschuppen, Preßluftschuppen und so weiter. Das ist aber beileibe nicht verächtlich gemeint, sondern eher durch einen liebevollen Unterton untermalt. Für junge Mädchen, vom Beat-Virus befallen, bedeutet es höchste Erfüllung, wenn sie endlich, endlich in die Ranchbar dürfen, selbst wenn es nur bis 22 oder 23 Uhr ist. Außerdem ist extra für die Küken am Sonntagnachmittag Tanz angesagt. Wenn die Eltern getäuscht werden sollen, kommen die Mädels ungeschminkt von zu Hause. Dann geht es in der Ranch erst einmal auf die Toilette, um sich zu schminken. Wenn sie dann wieder raus kommen wundert sich mancher von den Jungs: Ist das jetzt die, mit der ich gekommen bin, oder die große Schwester? Die Ranch … das ist schon was, denn an den verruchten Ringkeller zum Beispiel dürfen vor allem die Mädels nur in ihren geheimsten Träumen denken.
Mögen die jungen Leute glücklich sein, die alten Spießer sind es nicht. Es ist ungeheuerlich! Was ist nur aus der wohlgeordneten Nachkriegsgesellschaft geworden? Nicht nur die Spießer sind schockiert. Für manche scheint schon der Moment des Unterganges des Abendlandes gekommen zu sein …
Die aufmüpfige Jugend ist über alle Ländergrenzen hinweg durch die neue Musik miteinander verbunden – zumindest im Westen offiziell. Da gibt es langhaarige Sänger und auch ein paar Sängerinnen, in unmöglichen Klamotten, die offen ihre Meinung in alle Welt hinausposaunen – und … auch Sexuelles. Und die Mädchen und jungen Frauen singen da auch noch mit! Beim Twist produzieren sich manche Mädels, vor allem diejenigen die es sich leisten können, gar als Tittenwacklerinnen.

So sieht die Ranchbar (später Stachus) heute aus. Wie lange wird dieses geschichtsträchtige Gebäude wohl noch stehen?
Fotos von Rainy Roese

Rossner wartet in der Ranchbar mit klopfendem Herzen auf Denise, dieses entzückende, petite Wesen, das er kürzlich hier kennen gelernt hat. Wie eine Elfe aus dem Feenreich kommt sie ihm vor. Sie ist in einem Internat am Ammersee, kommt aber meist am Wochenende nach Kaufbeuren, da die Eltern in der Bundeswehrsiedlung an der Apfeltranger Straße wohnen. Der Vater ist nämlich beim Bund.
“Grüß’ dich, wie geht’s?” vernimmt Rossner neben sich die sonore Stimme von Rotgerber. Der stammt ursprünglich aus Nürnberg und ist nach seiner Bundeswehrzeit in Kaufbeuren hängen geblieben. Er war am Fliegerhorst Memmingerberg, beim Jagdbombergeschwader 34. Der Grund warum er letztendlich in Kaufbeuren gelandet ist führt den Namen Manuela.
“Mir geht es gut”, antwortet Rossner. “Wo hast du denn deine Manuela gelassen?”
“Keine Sorge, die kommt schon noch, die ist kurz bei einer Tante. Du weißt ja wie gerne sie tanzt.”
“Setz’ dich doch her”, fordert Rossner ihn auf, “ich lade dich zu einem Bierchen ein. Ich warte nämlich auch auf eine junge Dame.”
“Ist das die mit der du am vergangenen Samstag so eng umschlungen getanzt hast?”
“Ja, genau die.”
“Die schaut aber entzückend aus. In die könnte ich mich auch glatt verknallen.”
“Lass das bloß deine Manuela nicht hören.”
Da müssen sie beide lachen …
Nachdem er einen Schluck Bier getrunken hat sieht Rossner sich um. Die Beleuchtung ist schummrig. Die umfangreiche rechteckige Tanzfläche ist von Tischen umrahmt, die bereits besetzt sind, und zeigt mit der Schmalseite Richtung Eingangstüre. Auf der gegenüberliegenden Seite der Tanzfläche residiert der König der runden, schwarzen Scheiben, der Diskjockey, mit seinen Geräten. Da blinken in der Dunkelheit geheimnisvoll verschiedenfarbige Lämpchen und Anzeigen, fast wie im Cockpit eines Flugzeuges. Dahinter befindet sich ein Podest , auf dem Stühle und Tische stehen , von denen erst einige besetzt sind. Die große Theke mit Bar ist rechter Hand eingebaut.
Langsam füllt sich das Lokal. die Mädels sind schick angezogen, in Kleidern mit klaren Linien, tragen meist gestylte, toupierte Haarfrisuren, manche mit ‘Herrenwinkern’. Aber auch Farah-Diba-Bienenkorb-Frisuren, Brigitte-Bardot-Frisuren und vereinzelte Pferdeschwänze sind zu sehen. Glatte, lange Haare sind jedoch nach wie vor ‘in’. Und dann die langen, angeklebten Wimpern … Die jungen Männer schauen dagegen eher aus wie graue Mäuse, im Anzug und Krawatte, mit bravem, kurzen Haarschnitt. Nur ab und zu sieht man eine Elvis-Tolle oder einen Pilzkopf.

Der Text stammt aus dem Manuskript “Allgäu Sixties”, von Peter M. Roese

Interessiert wie’s weitergeht? Fortsetzung folgt bald …

Teil II

Wo sind die 60er-Fans, die einen Kommentar über ihre Erlebnisse rund um die Ranchbar schreiben wollen?