Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 1
Peter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”
Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil I
Die Beatles, die Stones, der Minirock, die Pille, die Emanzipation der Frau, die freie Liebe, der Vietnamkrieg, der Schah und seine Farah Diba, Studentenrevolten … das sind einige der Schlagworte aus jenen Jahren, die als die “60er” in die Geschichte eingingen. Mit der Aufarbeitung dieser turbulenten Zeit beschäftigen sich fast ausschließlich Intellektuelle, die heute als Lehrer, Rechtsanwälte, Manager, Ärzte usw. tätig sind. Die Masse der jungen Leute von damals kommt jedoch kaum zu Wort. Das soll sich mit “Allgäu Sixties” ändern, denn in dieser Gruppe befanden sich viele die gegen Eltern, Lehrer und Lehrherren aufmuckten, denn nicht nur unter den Talaren der Uniprofessoren war der Mief von Tausend Jahren …
Wie sah es da in den 60ern in Kaufbeuren aus? Da gab es eine Gruppe junger Leute, Schüler, Lehrlinge, Bundeswehr’ler usw. Die hatten sich lose zusammengeschlossen und nannten sich BHIGMIPS, nach den Initialen der Gründerinnen und Gründer. Eine Rock-Band hatten sie auch noch, die ‘Caddy Group’! Das war der Traum aller jungen Leute – vor allem der Mädels! Übrigens, einige der damals Beteiligten treffen sich auch heute noch hin und wieder …
Ein betagtes Gartenhaus in Kaufbeuren, genauer gesagt im Stadtteil Neugablonz, spielt eine zentrale Rolle, denn hier wurde schon manche Idee geboren. Hier wurden die alten Geschichten aus den unergründlichen Tiefen des Gedächtnisses hervorgekramt, um wieder und wieder rezitiert zu werden. So blieben sie gut im Gedächtnis haften.
Diese Gedächtnisübungen mit dem saloppen amerikanischen Spruch von dem ‘think tank’, wo die ‘eggheads’ ‘brain storming’ betreiben, zu vergleichen, wäre vielleicht etwas weit hergeholt … aber trotzdem! davon abgesehen, in diesem Gartenhaus fanden vielleicht Feten statt! Halten sich sagen wir mal sieben, acht Leute innen drin auf, meint man es wäre bereits voll. Aber weit gefehlt! Da stieg vor Jahren jene unvergessliche Party, zu der fünfzig Leute erschienen. Es war zwar kühl draußen, aber drinnen legten die Gäste unnötige Kleidungsstücke ab, so heiß war es. Einige Teilnehmer saßen sogar in den Rahmen der geöffneten oder ausgehängten Fenster, denn sonst hätten sie keinen Platz gefunden.
Zahlreiche weitere Anekdoten ranken sich um dieses Gartenhaus. Greifen wir nur eine davon heraus: Bei einem der späteren Besuche in den 90er Jahren wollten die Kinder unbedingt mit mir einmal im Gartenhaus übernachten. Ich erklärte mich bereit, den Spaß mitzumachen. Wie es in dem dem Alter der Kids, so zwischen 8 und zwölf Jahren nun einmal üblich ist, rüsteten sie sich mit Taschenlampen, Knüppeln und Messern usw. aus. Es könnten ja ein Einbrecher auftauchen oder ein Überfall stattfinden! Jedenfalls war es eine Gaudi und erst weit nach Mitternacht warf der letzte Rabauke das Handtuch. Am nächsten Morgen erschien die Schwägerin völlig aufgelöst bei den Freunden. Höchst aufgeregt verkündete sie, im Gartenhaus würden Penner nächtigen! Da war das Gelächter groß! Die gute Frau konnte schnell aufgeklärt werden.
Beitrag von Peter M. Roese
(Fortsetzung folgt …)
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