Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 4
Peter M. Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”
Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 4
Nun kommt eine nette Episode aus dem Kasernenalltag … nein, von einem Sonntagmorgen …
Rossner schreckt hoch. Der schrille Klang einer Trillerpfeife zerreißt urplötzlich die morgentliche Stille. Anschließend schallt eine sonore Stimme durch die Flure: “Staaaaffel aaaaufstehen!” ertönt es. Ja, was ist denn daaas? Sind etwa die Riussen im Anmarsch? Rossner eilt zur Türe und reißt sie auf. Und wieder ertönt dieses penetrante Trillern der Pfeife, gefolgt von dem Ruf: “Staaaaffel aaaufstehen!” Der Verursacher des Krawalls steht in makelloser Uniform und glänzenden Knobelbechern, pardon, Kampfstiefeln, breitbeinig, die Hände in die Hüften gestemmt, auf dem Flur. Es ist der schneidige Supersoldat, der ehemalige Angehörige des Heeeres, der erst kürzlich bei Ihnen eintrudelte. Gerade setzt er an um offensichtlich nochmals zu trillern und zu rufen. Bevor er jedoch dazu kommt bleibt ihm das Wort im Hals stecken, und die Trillerpfeife entgleitet vor Schreck seiner kraftlosen Hand, denn er sieht sich unvermittelt von einem halben Dutzend halbbekleideter mordlüstig dreinblickender Männer umringt, die Anstalten machen ihn zu lynchen. Ein unverheirateter Oberfeldwebel der in der Kaserne wohnt packt den Ruhestörer unsanft am Kragen und befördert ihn ins UvD-Zimmer.
Mit der Drohung: “Laß’ dich bloß nicht mehr blicken, du Blödmann, sonst gibt’s gewaltigen Ärger”, schließt er die Türe hinter ihm zu.
“Jawohl, sperr’s Pfeiferl ei”, kräht der blonde Stuffz aus München. Er ist ausnahmsweise am Wochenende hier, weil er Zoff mit seiner Braut hat. Ja, ja, da wird der Fliegerhorst ein Hort des sicheren Asyls.
“Das ist doch dieser Supermilitär”, äußert sich ein anderer, “der sich vom Heer zu uns hat versetzen lassen, weil ihm die Luftwaffenuniform besser gefällt.”
“Also, ob das den Tatsachen entspricht …?” zweifelt wiederum ein anderer der Anwesenden.
Da taucht der GvD auf. Das ist der Gefreite vom Dienst, sozusagen der Adjudant des UvD. Er gehört zu den alten Hasen der Einheit und steht kurz vor der Rückkehr ins Zivilleben. Sicherheitshalber hatte er sich auf die Toilette verdrückt, nachdem er den UvD vergeblich händeringend darum bat, von dem unziemlichen frühmorgentlichen Weckruf abzusehen. Er schaut lustg aus, der GvD, mit dem Stahlhelm, der auf seinem dicken, runden Klößer thront.
So, jetzt reicht es erst einmal für den Moment. Aber keine Sorge, der interessierte Leser erfährt in der Fortsetzung was weiter passiert. Danach geht es aber dann tatsächlich in zivile Gefilde …
Beitrag von Peter M. Roese
(Fortsetzung folgt …)
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