Kaufbeuren – Alte Stadt in neuem Licht

Herausgegeben von Jürgen Kraus
Fotos von Mathias Wild
Format 23 x 28 cm, 128 Seiten, Vierfarbdruck
ISBN 978-3-934509-88-7, 19,50 Euro

Dieser Bildband über die Stadt Kaufbeuren führt mit Vorbedacht den Untertitel „Alte Stadt in neuem Licht“. Er beschränkt sich nicht allein auf das Zugängliche und Sichtbare, sondern vermittelt auch Einsicht in das geheimnisvolle Innenleben einer Stadt. Besuchern Kaufbeurens soll er zum Wegweiser einer Begegnung werden.

Für die Bürger Kaufbeurens bietet er überraschende Einblicke in ihren Lebensraum. Die Bilder werden von kurzen Texten begleitet. In der Art historischer Schlaglichter stellen sie eine Verbindung zu Kaufbeurens Geschichte her. Damit lässt sich auf unterhaltsame Weise das Wissen über die Eigenarten einer alten Stadt vertiefen.

Einen „behutsam vermittelten Einblick“ in die Wertachstadt gewährt der neue Kaufbeuren- Bildband. Herausgeber Jürgen Kraus hat schöne, interessante, aber auch unbekannte Ansichten der Stadt von Mathias Wild mit fundierten, kurzen Texten zahlreicher Kaufbeuren-Experten zusammengebracht. Dabei sind auch nicht zugängliche, aber dennoch reizvolle Winkel der Stadt abgelichtet worden. So entstand ein Band „für Betrachter, Leser und Neugierige“.

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Quelle: BAUER-VERLAG GmbH

Für Türkei-Urlauber aus dem Allgäu

So sah das Topkapi Serail in Istanbul um 1900 aus


(Sammlung Peter M. Roese)

Blaichach

Die Daten von Blaichach:
Bundesland: Bayern
Höhe: 737m ü. NN
Fläche: 50,19km²
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Oberallgäu
Postleitzahl: 87544
Vorwahl: 08321, 08323
Kfz-Kennzeichen: OA
Internetseite: www.blaichach.de

Blaichach liegt nahe des herrlichen, ruhig gelegenen Gunzesrieder Hochtales. Übrigens kann man am frühen Morgen in der Sennerei Gunzesried und in der Alpe Oberberg (nur im Sommer!) bei der Herstellung von Käse zusehen. Blaichach und die nahe gelegenen Orte Ofterschwang und Bolsterlang sind als Ferien- und Wintersportorte beliebt. In Gunzesried findet im Juli die ‘Bergkirbe‘ und im September die große Viehscheid statt. Am Martinstag gibt es in Blaichach einen sehenswerten Umzug mit Pferdesegnung. Empfehlenswert für Bergwanderungen und Skitouren ist die ‘Hörnertour‘, die über das Ofterschwanger, Sigiswanger und Rangiswanger Horn nach Bolsterlang führt. Die Martinskirche in Blaichach ist ein interessanter neuromantischer Bau von 1903/04.

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 7

Peter M. Roese Peter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 7

Verweilen wir gerade noch einen kurzen Moment beim Kuhstallweiher …

… Als Karin einmal in einem schneeweißen Bikini, auf den sie besonders stolz war, ins Wasser ging und anschließend wieder herauskam, traf sie fast der Schlag, denn das schicke, wenn auch knappe Kleidungsstück hatte eine braune Färbung angenommen, die nie wieder heraus ging. Da war die kurz zuvor so stolze Trägerin natürlich stocksauer!

So, jetzt geht es weiter …

“Menschenskind”, murmelt Rossner, “was habe ich doch für ein Dusel gehabt, ausgerechnet in dieser herrlichen Ecke der Republik zu landen. Das hätte ich nie erwartet.”
Da hat er recht, denn wird das Allgäu erwähnt, denkt man dabei wohl weniger an die Luftwaffe. Da kommen einem eher sanfte Hügel mit sattgrünen Weiden in den Sinn, auf denen sich braune Kühe tummeln, deren Glocken melodisch bimmeln. Gesteigert werden die Eindrücke noch durch Berge, Wälder, Seen, Flüsse und Bäche, und heimelige Dörfer, die sich vertrauensvoll um teils mächtige Gotteshäuser scharen, an verstreut liegende rustikale Bauernhöfe mit üppiger Blumenpracht auf den Balkonen und immer mal wieder eine Kapelle oder hier und dort ein Marterl. Ach ja, so mancher Besucher fragt sich, wo denn diese hübschen, sanftäugig dreinblickenden Kühe eigentlich herkommen. Ganz einfach: Die stammen ursprünglich aus den Tälern der östlichen Schweiz. Aber um wieder auf die Luftwaffe zurückzukommen … Hand auf’s Herz, es müßte doch einfach berauschend für einen Piloten sein, im Tiefflug über diese herrliche Landschaft hinweg zu donnern! Nur ist das leider nicht erlaubt …

Nach dem Frühstück und der körperlichen Reinigung beschließt Rossner, im Moospflänzchen ein wenig Ordnung zu machen und Mao und Lumumba mit neuen Kupplungsscheiben und Panzerplatten zu versorgen. Das ist sozusagen deren Leib- und Magenspeise. Halt, halt! Moospflänzchen … Mao und Lumumba…. Kupplungsscheiben und Panzerplatten … Ja, was um Himmelswillen ist denn daaas? Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: Mao ist eine weiße Maus mit roten Augen, Lumumba eine schwarze Maus mit schwarzen Augen. Die possierlichen Tierchen fressen gerne das runde Vollkornbrot in der Dose, eben die Kupplungsscheiben und diese harten Bisquits, deswegen Panzerplatten, die fürchterlich aufquellen, wenn man sie in Wasser legt. Diese beiden Lebensmittel sind sozusagen der eiserne Grundstock der eisernen Ration, die den Soldaten im Feld vor dem Verhungern bewahren soll. Da kann man nur sagen: Guten Appetit! Und wo wohnen die beiden Mäuse? Natürlich im Moospflänzchen! Und das Moospflänzchen ist ein betagter VW-Bus!

In der nächsten Folge verläßt unser Protagonist den Fliegerhorst, und strebt zivilen Gefilden zu …

(Fortsetzung folgt …)

Beitrag von Peter M. Roese

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 6

Manuskript “Allgäu Sixties” Teil 6

Peter M. Roese Peter M.Roese und sein Manuskript “Allgäu Sixties”

Die turbulenten 60er Jahre in Kaufbeuren, Teil 6

Endlich geht es weiter mit dem Bärensee …

Vor allem an den Wochenenden, im Frühjahr und Sommer, wenn die Sonne vom Himmel lacht, sind die lauschigen Plätzchen heiß begehrt. Der Besuch des ‘Liebesgrundes’ bereitet aber langfristig gesehen nicht unbedingt ausschließlich Freuden, sieht man einmal von ungewollten Schwangerschaften ab, wie zum Beispiel der Gefreite Schäfer nach einem Schäferstündchen zu seinem Leidwesen schmerzlich erfahren mußte. Der hatte sich vergangenes Jahr im Hochsommer mit seiner Flamme aus dem Schwesternheim in die Büsche verdrückt, und beide waren nach allerlei akrobatischen Liebesübungen erschöpft eingeschlafen. Er lag auf dem Bauch, die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel herab. Drei Stunden nach dem Schäferstündchen wachte Schäfer wieder auf und hatte einen mordsmäßigen Sonnenbrand auf seinem Rücken und vor allem auf seinem normalerweise lichtscheuen Allerwertesten. Die höllischen Schmerzen trieben ihn am Montag darauf sogar ins Krankenrevier.
“Rot wie ein Pavianhintern schaut das aus”, stellte der Oberstabsarzt, der ihn behandelte, fest. “Es scheint also doch zu stimmen, daß der Mensch vom Affen abstammt”, fügte er feixend hinzu.
Dann machte er doch glatt den Vorschlag, den angekokelten Schäfer als Demonstrationsobjekt für den ABC-Unterricht bei den Einheiten am Fliegerhorst herum zureichen, damit jeder drastisch sehen konnte, wie Leute nach einem Atombombenangriff aussehen – zumindest von hinten. Der Geschädigte wehrte sich jedoch vehement gegen diese Ehre. Selbst ein, zwei Tage Sonderurlaub konnten ihn nicht umstimmen.
Das Übelste für den Gefreiten Schäfer war, daß er mehrere Tage nicht auf seinem Allerwertesten sitzen konnte. Seine Flamme ließ sich angeblich ihren versengten Busen vom Hausarzt behandeln. Die Frage stellt sich, was war wohl unangenehmer? Oder besser noch, was wäre wohl gewesen, wenn der Schäfer auf dem Rücken gelegen hätte? Da wäre es sicher für einige Zeit mit den Liebesfreuden ganz vorbei gewesen.
Immer noch schmunzelnd schnappt sich Rossner seinen olivgrünen Kulturbeutel und das ebenfalls olivgrüne Handtuch und schlendert zum Waschraum. Dort herrscht gähnende Leere: Die anderen werden wohl wieder in ihre Betten gekrochen sein. Während er seinen Stoppelbart abkratzt, kommt er nochmals auf die Badegelegenheiten zurück. Es existieren eine Reihe weiterer populärer Badeseen in der Umgebung, wie zum Beispiel der Ettwieser Weiher und der Kuhstallweiher. Rossner schüttelt den Kopf … Was für ein Name! Während am Ettwieser Weiher einige Umkleidekabinen und weitere Einrichtungen vorhanden sind, hat der Kuhstallweiher außer zwei Holzstegen, von denen aus man ins Wasser springen kann, keinerlei weiteren Komfort zu bieten, von der lieblichen Landschaft abgesehen. Bemerkenswert ist der Kuhstallweiher deshalb, weil er in einem Moorgebiet liegt. Da kann man herrliche Schlammschlachten veranstalten oder Moorpackungen nehmen. Für die Jungs war es ein lustiger Zeitvertreib, die Mädels mit schwarzem Schlamm zu bewerfen. Da ging schon mal die eine oder andere toll gestylte Frisur flöten. Es folgten Gezeter und böse Worte, und als Ergebnis ging manche Liebschaft zu Bruch. Das Wasser war im Grunde genommen nichts weiter als eine dunkelbraune bis schwarze Brühe …

So, das war’s für heute. Die Fortsetzung beginnt mit Reflektionen auf das Allgäu …

Beitrag von Peter M. Roese

(Fortsetzung folgt …)

Allgäu Sixties Teil 1

Allgäu Sixties Teil 2

Allgäu Sixties Teil 3

Allgäu Sixties Teil 4

Allgäu Sixties Teil 5

Allgäu Sixties Teil 7

Weiler-Simmerberg

Die Daten von Weiler-Simmerberg:
Bundesland: Bayern
Höhe: 632m ü. NN
Fläche: 31,3km²
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Lindau (Bodensee)
Postleitzahl: 88171
Vorwahl: 08387 (Simmerb.) 08384 (Ellh.)
Kfz-Kennzeichen: LI
Internetseite: www.weiler-simmerberg.de

Bekannt für seine klare Höhenluft ist Weiler mit den Ortsteilen Simmerberg und Ellhofen (632 – 800 Meter). Weiler wurde bereits 894 urkundlich erwähnt. Der Luftkurort erstreckt sich zu beiden Seiten des ansprechenden Markt- und Kirchplatzes. Das aus dem Jahr 1681 stammende habsburgische Amtshaus, das jetzt das Rathaus beherbergt, gehört zu den ansprechendsten seiner Art im Allgäu. Die klassizistische Pfarrkirche St. Blasius (1795-1608) in Weiler ist sehenswert. Ebenfalls einen Besuch wert ist das Kornhaus mit bäuerlichen und handwerklichen Geräten, sowie volkskundliche Ausstellungen. Dann gibt es noch das Westallgäuer Heimatmuseum, das im ehemaligen Gasthof ‘Zum Löwen‘ untergebracht ist, und den ehemaligen Ausschank, Bauernstuben und eine Kapelle enthält. Gezeigt werden auch Trachten, religiöse Volkskunst, gotische Plastiken usw. Seit 1577 war der Ortsteil Ellhofen übrigens Enklave des Deutschen Ritterordens. Interessant sind auch Besuche der seit dem Mittelalter bekannten Siebersquelle (sie wird heute wieder genutzt), der Emmentalerkäserei und der Schaubrauerei.

Herta Müller, Rumänien und Kaufbeuren

Die Berichte über die rumänien-deutsche Nobelpreisträgerin Herta Müller haben mich seltsam berührt, denn mit Rumänien und den einstmals dort zahlreichen deutschstämmigen Volksgruppen verbinden mich bemerkenswerte Erinnerungen. Da kommen wieder die Bilder hoch, wie zwei Freunde und ich im VW-Sambabus aus dem Iran und Anatolien kommend, im Spätsommer 1968 über Bulgarien nach Rumänien fuhren. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem die unglaubliche Gastfreundschaft der Rumäniendeutschen. Es verdient festgehalten zu werden, daß es um die gastfreundliche Aufnahme in Anatolien und im Iran ähnlich gut bestellt war. Wir, die wir als völlig Fremde abends ein Dorf erreichten, waren immer willkommen, egal wie arm die Leute waren – und die anatolischen und iranischen Bauern waren damals bitter arm! Ausgangspunkt der abenteuerlichen Reise war übrigens die heute nicht mehr existierende Shell-Tankstelle an der Mindelheimer Straße in Kaufbeuren im Allgäu …

Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem Reisetagebuch:

In der Nähe von Sibiu, dem ehemaligen Hermannstadt, hatten wir uns verfranst. Da kam ein großes Gehöft in Sicht, vor dem ein paar Leute standen. Bevor ich mich richtig nach dem Weg erkundigen konnte, rief ein Mann: “Seid’s ihr Reichsdeutsche?” Diese Frage waren wir nun schon gewohnt. “Reichsdeutscher” ist gleich “Westdeutscher“, so einfach war das. Von den sozialistischen Brüdern in der DDR wollte man anscheinend nichts wissen. Ich bestätigte also, daß meine Freunde und ich aus Westdeutschland kämen. Da hellten sich die Mienen auf und man bat uns in das stattliche Wohnhaus, das heißt in die Küche, wie das so üblich war. Das Wohnzimmer blieb Familienfesten, wie Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen, der Weihnachtsfeier usw. vorbehalten. Die Küche sah wieder einmal recht rustikal aus. Ein offener Herd, mit darüber hängenden Kesseln, Töpfen und Pfannen, ein langer Tisch mit einer gut zolldicken Platte, zwei Bänke und einige vom Alter gezeichnete Truhen bildeten das gesamte Mobiliar. Weitere Gegenstände, Taschen, Körbe und Kleidungsstücke hingen an Holzpflöcken, die man in die Wände getrieben hatte. Der Fußboden bestand aus gestampftem Lehm. Auf allem lag die Patina von Jahrhunderten.

Da es später Nachmittag war, fragten wir, wo wir eventuell übernachten könnten. Da bot man uns ein Nachtlager im duftenden Heuschober an. Ich hatte bemerkt, daß im Hof gleich zwei PKWs standen, die freundlichen Gastgeber konnten also nicht arm sein. Dies bestätigte sich hinterher. Von dem einst riesigen Anwesen hatten die Kommunisten zwar Felder, Wiesen und Wälder verstaatlicht, der Hof, die Scheunen, der große Gemüsegarten und eine Wiese, waren den Eigentümern jedoch geblieben. Es war ihnen auch erlaubt, zwei Kühe, ein paar Ziegen und jede Menge Hühner für den Privatgebrauch zu halten. Da konnte man auch ganz gut schummeln, denn der Bauer hatte noch eine Kuh und mehrere Ziegen bei ärmeren rumänischen Nachbarn untergebracht, wie er verschmitzt grinsend berichtete.

Trotz des augenscheinlich bescheidenen Wohlstandes wollen die Leute partout in den Westen, oder wie sie sich ausdrückten, “heim ins Reich”. Wir versuchten sie mit dem Argument, daß im Westen auch nicht alles Gold wäre was glänzt, davon abzubringen, jedoch vergeblich. Sie wollten einfach raus aus Rumänien. Sie konnten sich einfach nicht mit den Kommunisten identifizieren, die es zuließen, daß so viele der Landsleute ein schreckliches Schicksal erlitten hatten. Vor allem die Verschleppungen durch die Sowjets waren noch frisch in Erinnerung. Da nützte auch der Hinweis nichts, daß Staatspräsident Nicolae Ceausescu gerade eine vorsichtige Hinwendung zum Westen begonnen hatte.

Beitrag von Peter M.Roese

Allgäu im Herbst

Wie man sieht, ist es nicht immer nur schön und sonnig, sondern es gibt auch Nebeltage, was aber wiederum eine eigene Stimmung zaubert. Renate Roese hat für Sie ein wenig davon eingefangen.